In Zeiten zunehmender populistischer Strömungen ist es wichtig, Vorurteilen, Intoleranz und Diskriminierung die Stirn zu bieten. Einer der erfolgreichsten Battle-Rapper Deutschlands, der aus Israel stammende Ben Salomo, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Antisemitismus aktiv entgegenzuwirken. Am Freitag, dem 24. Januar 2020, war der jüdische Rapper, YouTuber und Buchautor zu Gast an der Marienschule. Mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 diskutierte er über Antisemitismus in der heutigen Zeit und erzählte von privaten Konfrontationen aufgrund seiner Religion.

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Zu Beginn der Veranstaltung wurde der in Berlin lebende Referent von der stellvertretenden Schulleiterin Nicole Scharbach sowie der Landtagsabgeordneten der FDP, Marion Schardt-Sauer, im Namen der Liberalen Stiftung herzlich begrüßt. Anschließend stellte sich Ben Salomo persönlich bei den Schülerinnen und Schülern in der Aula der Marienschule vor. So erzählte er unter anderem von seiner Konzertreihe „Rap am Mittwoch“, bei welcher er 2018 nach acht Jahren Arbeit ausgestiegen sei. So sagte er: „Ich habe aus Protest meine Veranstaltung beendet.“ Ben Salomo sei vor allem in der Rapszene immer häufiger mit Antisemitismus konfrontiert gewesen. Mit dieser Geste wollte er ein Zeichen setzen.

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Daraufhin begann der Youtuber von seiner Geschichte zu erzählen. Geboren in Israel und als Kind nach Deutschland ausgewandert, habe er schon früh feststellen müssen, dass nicht jeder Mensch positiv gegenüber dem Judentum eingestellt ist. Dies bemerkte er das erste Mal, als er als kleiner Junge in den Kindergarten ging. So fielen ihm vor allem die bewaffneten Polizisten am Eingang des jüdischen Kindergartens in Berlin sofort auf. Doch aufgrund der erhöhten Gefahrenlage waren diese Polizisten unverzichtbar. Nur drei Jahre später reiste er zusammen mit seiner Familie nach Israel, um seinen Großvater zu besuchen. Dieser erzählte dem damals achtjährigen Jungen von seiner Kindheit und Jugend während der Zeit des Nationalsozialismus. So wurde Ben Salomo zum ersten Mal bewusst, dass die Vergangenheit auch unmittelbar das Schicksal seiner Familie verändert hatte. Doch trotz aller Erzählungen hatte Ben bis dato keine eigenen antisemitischen Erfahrungen gemacht. Dies änderte sich schlagartig als er elf Jahre alt war. Sein damaliger bester Freund stellte ihm die ganz einfache Frage: „Was bist du?“. Eine Frage, die in Berlin täglich mehrmals gestellt wird, doch Bens Antwort: „Ich bin Jude. Ich komme aus Israel“, sollte das Verhältnis der beiden für immer verändern. Als sein Freund am nächsten Tag zusammen mit anderen Jugendlichen ihn schlagen wollte, verstand Ben Salomo zum ersten Mal, was es hieß, in der heutigen Gesellschaft den jüdischen Glauben zu vertreten. Doch er wehrte sich erfolgreich.

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Nichtsdestotrotz erzählt der YouTuber, dass er vor allem in der heutigen Zeit immer häufiger mit Antisemitismus konfrontiert wird. Um den Schülerinnen und Schülern der Marienschule dies näher zu bringen, erzählte er verschiedene Gerüchte über Juden. Die Schüler sollten anschließend mit Handzeichen anzeigen, welche der Gerüchte auch sie schon einmal gehört hatten. Die Zahl der Meldungen war erstaunlich. So kannte fast jeder der Jugendlichen Gerüchte über Juden. Der Rapper zitierte in diesem Zusammenhang Theodor Adorno, der einmal sagte, dass schon ein Gerücht über Juden Antisemitismus sei. Mit dieser Definition machte der Berliner aufmerksam auf unauffällige Diskriminierung im Sprachgebrauch. Als Abschluss seines Vortrags schloss Ben Salomo eine Vereinbarung mit der Jahrgangsstufe 10. So appellierte er: „Stellt euch auf die Seite derer, die betroffen sind. Duckt euch nicht weg, sondern setzt euch ein für eure Mitmenschen.“ In der heutigen Gesellschaft sei es demnach wichtig, sich für andere Menschen einzusetzen und einzugreifen, wenn Antisemitismus, Faschismus oder Diskriminierung im Alltag verbreitet werden.

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Nach dem Vortrag des Rappers hatten die Schülerinnen und Schüler noch einmal Zeit, um Fragen zu stellen. Eine Schülerin stellte dabei unteranderem die Frage, wie der Rapper mit der Verantwortung der Deutschen nach dem Holocaust umgehe. Dieser antwortete daraufhin, dass es wichtig sei, über die Vergangenheit zu reden und nicht darüber zu schweigen. Weiterhin sagte er: „Kinder werden nicht mit Hass geboren. Den erlernen sie.“, womit er auf den Einfluss der Gesellschaft auf Kinder aufmerksam machte. So habe er große Bedenken, wenn er über manche Politiker oder die Geschehnisse in Halle nachdenke. Jedoch könne er auch optimistisch in die Zukunft blicken, wenn er Jugendlichen in Schulen begegne, die den Mut hätten zu intervenieren und für Gerechtigkeit einzustehen. Zum Abschluss beendete der YouTuber seinen Vortrag mit einer Rapeinlage und sensibilisierte mit diesem Songtext die Jugendlichen noch einmal für Antisemitismus.

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(Bericht: Franziska Seitz, Fotos: NH)