Schauspieler Tino Leo inszeniert die Nibelungensage für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I

Ein Klassiker wie das Nibelungenlied ist für Kinder und Jugendliche oft schwer verständlich und lässt sich schlecht lesen und verstehen. Um bei ihnen den Spaß und die Neugier an solchen Werken zu wecken, bietet Schauspieler Tino Leo das Ein-Personen-Stück „Die Nibelungensage in 45 Minuten“ an. Dabei wechselt er von Rolle zu Rolle, während er die verschiedenen Figuren auf große weiße Blätter hinter sich zeichnet, damit der Zuschauer den Handlungssträngen sowie den verschiedenen Eigenschaften der Charaktere folgen kann. Entstanden ist ein Stück, das leicht verständlich und unterhaltsam ist und in modifizierter Form gleichzeitig die Hauptinhalte des Klassikers wiedergibt. In den Genuss dieser interessanten Aufbereitung des mittelalterlichen Stoffes kamen in der vergangenen Woche auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in der Aula der Marienschule.

Aufgezogen wie eine TV-Show geben Moderatoren und Reporter das Leben von Siegfried, dem Helden des Stückes, wieder. Siegfried ist zu Beginn ein verwöhntes und freches Kind, dessen Vater von ihm verlangt, er solle etwas Nützliches aus seinem Leben machen und ihn deshalb in die Lehre zu einem Schmied schickt. Dieser möchte den faulen Jungen allerdings so schnell wie möglich loswerden und schenkt ihm sein eigenes Schwert, damit er Drachen bekämpfen kann. Siegfried kann es nicht abwarten, sich mit dem Ungeheuer zu duellieren. Und tatsächlich kann er das Monster bezwingen und es erlegen. Da Drachenblut unverwundbar macht, badet er darin – allerdings ohne das Blatt, das auf seinen Rücken geweht ist, zu entfernen.

Nach dem Bad bricht Siegfried auf ins Nibelungenland, in dem er auf die Brüder Nibelung und Schibelung trifft, die sich um das Erbe des Nibelungenschatzes streiten. Drachenbezwinger Siegfried möchte den Schatz gerecht unter den beiden aufteilen, doch die Brüder sind unzufrieden und bringen sich gegenseitig im Kampf um. Damit wird Siegfried zum König von Nibelungenland und der Zwerg Alberich, der davon ausgeht, Siegfried würde ihn töten, schenkt ihm zum Dank für seine Verschonung eine Tarnkappe.

Nachdem der Held nun reich und unbesiegbar ist, möchte er die schöne Prinzessin Kriemhild von Burgundenland heiraten. Ihr Bruder Günther möchte Brunhild, eine kämpferische Schönheit heiraten. Siegfried willigt ein, Günther zu helfen, sie zu erobern, wenn er dafür Kriemhild heiraten darf.

Um Brunhild zu erobern, muss man sie in einem sportlichen Wettkampf schlagen, der durch Speerwerfen und Weitsprung entschieden wird. Da Siegfried die Tarnkappe besitzt, manipuliert er unsichtbar den Wettbewerb, so dass Brunhild Günther nun zum Mann nehmen muss.

Sieben Jahre vergehen, in denen Kriemhild und Siegfried glücklich im Nibelungenland leben und eine Familie gründen. Brunhild hingegen ist sehr unglücklich in ihrer Ehe und ihr kommt die Idee, Siegfried und seine Familie einzuladen. Kriemhild und Brunhild fangen allerdings an zu streiten, wobei sich Kriemhild verplappert und der anderen Frau den Ring und Gürtel zeigt, den sie damals bei einem Kampf mit ihrem Ehemann verloren hat. Brunhild wird misstrauisch und kommt dahinter, was damals wirklich passierte. Da sie auf Rache sinnt, möchte sie Siegfried töten und bittet Hagen, einen Freund von ihr, um Hilfe. Dieser bringt Siegfrieds Gattin durch eine List dazu, ihm zu  verraten, an welcher Stelle er verwundbar ist.

Hagen stellt Siegfried daraufhin eine Falle und simuliert einen Krieg, in dem er kämpfen muss. Nach dem Kampf veranstalten einige Männer einen Wettkampf und als der Held als erstes das Ziel erreicht, sticht Hagen ihm ein Messer in den Rücken. Siegfried ist tot und Brunhild hat ihr Ziel erreicht, doch nun sinnt auch Kriemhild auf Rache.

An dieser Stelle friert das Bühnenbild ein und das Stück ist vorbei. Das offene Ende soll „Appetit auf mehr machen“ und zum Nachdenken anregen. Die jugendlichen Zuschauer nutzten die sich bietende Möglichkeit, mit dem Schauspieler zu diskutieren sowie Fragen zu stellen oder Kritik zu äußern. Tino Leo spielt das Stück schon seit Sommer 2011 und hatte bisher etwa 80 bis 100 Auftritte. Die Schülerinnen und Schüler interessierten sich neben dem Nibelungenstoff auch für sein Leben als Schauspieler und seine bisherige Karriere. Umgekehrt zeigte auch Leo sich interessiert an der ehrlichen Meinung der anwesenden Schülerinnen und Schüler.Hier zeigte sich, dass die Inszenierung die Neugier vieler Schüler geweckt hatte und Tino Leo dadurch sein Ziel, das Interesse der Schüler für den mittelalterlichen Stoff zu steigern, in jedem Falle erreicht hat.   (Kim Haney /Ke)

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