Moralische Staubsauger, Cyborgs und Roboter als Lehrer: Anlässlich der hr-iNFO-Schultour zum Funkkolleg „Religion - Macht - Politik“ diskutierten die Schülerinnen und Schüler des Religionskurses von Matthias Werner sowie des Informatikkurses von Thomas Klein am 21. Mai 2019 über die Chancen, Herausforderungen und Risiken der Digitalisierung.

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Anlass zu dieser Diskussion war eine Sendung des Funkkollegs zum Thema „Der Mensch spielt Gott: neue Schöpfung durch Technik“. Nach intensiver Vorarbeit in den Kursen freuten sich Schüler sowie Lehrer umso mehr die Autorin dieser Sendung, Ariane Focke, sowie den Redakteur Markus Pleimfeldner vom Hessischen Rundfunk begrüßen zu dürfen. Im Rahmen der „hr-iNFO-Schultour“ besuchten sie die Marienschule in Limburg.

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Zu Beginn der Diskussionsrunde führte der Religionkurs von Matthias Werner mit einem Rollenspiel in die Thematik ein. Dabei vertraten die Schüler die verschiedenen Rollen als Informatiker, Lehrer, Theologin sowie als Cyborg und Verbraucherin. Es entstand eine Diskussion über die Moral der aktuellen und zukünftigen Technologien. So behauptete einerseits der Informatiker, dass Computer die besseren Menschen seien, während der Cyborg behauptete, dass der Mensch lediglich durch Maschinen optimiert werden könne. So gebe es viele Vorteile durch neue Technologien in Medizin, Wirtschaft und Gesellschaft, allerdings seien Maschinen oftmals leicht durch Menschen zu sabotieren. Nicht ohne Grund habe schon Stephen Hawking vor der künstlichen Intelligenz gewarnt. Daher betonte die Theologin, dass die Schöpfung Gottes so gewollt sei, ohne dass die Technik den Menschen erlöse. Dies sei eine Illusion. Des Weiteren äußerte sich die Verbraucherin skeptisch gegenüber Robotern in sozialen oder kreativen Berufen, da Maschinen weder emotional noch kreativ oder spontan sein könnten. Zum Abschluss des kurzen Rollenspiels durch die Schüler beendete Religionslehrer Matthias Werner die kurze Einführung in die Thematik mit einem Gedankenexperiment. Er stellte den Anwesenden einen kleinen Roboter vor, der sich selbst als Religionslehrer vorstellte. Daraufhin äußerten sich viele Schüler kritisch gegenüber einem solchen Unterrichtsformat.

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Nach der kurzen Einführung in die ethischen Fragen der neuen Technologien begann die Diskussion im Plenum. So stellte Informatiklehrer Thomas Klein klar, dass die Technik und Digitalisierung zunächst einmal dazu gedacht seien, den Alltag zu erleichtern. Sie sollten nicht den Menschen ersetzen. Doch teilweise gebe es eine falsche Richtung in der Forschung. So sei der Fokus vor allem auf den Profit, nicht aber auf die Nachhaltigkeit einiger Projekte gerichtet. Dies müsse sich in Zukunft ändern. Weiterhin behaupteten viele Schüler, dass der Mensch als Wesen nicht ersetzbar sei. Durch Charakter, Emotionen und Eigenschaften sei er immer noch einzigartig. Auch aus diesem Grund könne ein Roboter nicht als Lehrer geeignet sein, da ihm genau diese Grundlagen fehlten. Im Gegensatz dazu warf allerdings auch eine Schülerin in den Raum, dass es auch möglich sei, eine emotionale Bindung zu Tieren oder technischen Geräten aufzubauen. Warum also nicht auch zu einem Roboter? Dieser könne in Zukunft vielleicht sogar moralisch handeln. Dazu erzählte die Autorin Ariane Focke, dass es in der Schweiz bereits ein Staubsaugermodell gebe, das bei Insekten immer erst seinen Besitzer frage, ob er es aufsaugen solle. Somit sei ein Roboter immer nur so moralisch wie sein Anwender.

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Abschließend fragte Matthias Werner in die Runde: „Wir sind die Schöpfer der neuen Epoche. Bereitet die Schule darauf vor?“ Daraufhin äußerten sich einige Schüler eher kritisch, da beispielsweise Informatik nicht verpflichtend an Schulen sei und Schülern und vor allem Lehrern oftmals technische Grundlagen fehlten. Nichtsdestotrotz habe die Marienschule durch den Informatikunterricht oder das Projekt „Digitale Helden“ eine positive Einstellung zu neuen Technologien, die in Zukunft vermehrt eingesetzt werden müssten. So forderte der Redakteur Markus Pleimfeldner, dass jedes Schulfach sich differenziert zur Digitalisierung positionieren müsse, um den Schülern in Zukunft weiterzuhelfen. Durch eine offene Diskussion in allen Fächern zum Thema Digitalisierung und deren ethischen Herausforderungen würde den Schülern eine gute Grundlage mit auf den Weg gegeben. So sollten Lehrer in Zukunft mehr moderieren statt vorgeben, um die Schüler gut auf die Herausforderungen mit neuen Technologien vorzubereiten.

(Bericht: Franziska Seitz, Fotos: MM)