Vom Projekt Nord Stream II über die Effektivität des Emissionshandels bis hin zu Umweltproblemen durch Plastikverpackungen: Anlässlich des Europatages und der Wahl des Europäischen Parlaments diskutierten am Donnerstag, dem 9. Mai, Michael Gahler (CDU), Anna Kristina Tanev (SPD), Sebastian Schaub (B90/Die Grünen), Dirk Tiemann (FDP) und Jörg Zimmermann (Die Linke) mit Oberstufenschülern in der Aula der Marienschule.

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Zu Beginn begrüßte Schulleiterin Dr. Henrike Zilling nicht nur die Diskussionsteilnehmer, sondern auch die Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg, Monika Sommer, und die Aus- und Weiterbildungsbeauftragte Jutta Golinski als Gäste und eröffnete den Marienschul-Europatag, an dessen konzeptioneller Gestaltung Fachbereichsleiterin Meike Lang beteiligt war. Anlässlich dieses besonderen Tages hatte die Oberstufe eine Ausstellung vorbereitet, die in den Gängen und in der Mensa von der Schulgemeinde besichtigt werden konnte.

Der erste Themenblock wurde vom Leistungskurs Politik und Wirtschaft der Q2 unter der Leitung von Daniel Laukner vorbereitet. Die Moderatorinnen Laura Hammer, Janina und Jill Rasch sprachen dabei vor allem wirtschaftliche Themen der Europäischen Union an, insbesondere das umstrittene Projekt Nord Stream 2. Die Gaspipeline transportiert russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland.

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Michael Gahler (CDU) betonte, dass das Projekt im EU-Parlament mehrheitlich abgelehnt werde. Jedoch erachte er Russland als unverzichtbaren Partner für eine sichere Stromversorgung. Dennoch solle die Pipeline nach Richtlinien der EU betrieben werden. Ebenso befürworte er eine Genehmigung seitens der EU-Kommission für eine Nutzung der Pipeline durch andere Staaten. Dirk Tiemann (FDP) fügte hinzu: „Wir sollten versuchen, unsere europäischen Partner mit einzubeziehen“, da gerade die östlichen Länder wirtschaftlichen Aufschwung suchen würden. Jedoch solle Deutschland sich nicht abhängig machen, was die Stromversorgung angeht. Man müsse sich immer fragen, wie verlässlich der Partner sei. Anna Kristine Tanev (SPD) sagte: „Ich glaube nicht, dass Nord Stream 2 verhindert werden kann“, da man mit dem Fracking-Gas aus den USA keinen zuverlässigen Partner hätte. Aus diesem Grund setze sie sich für eine Autonomie und die Verbesserung der Forschung bezüglich regenerativer Energien und Kernfusion ein. Jörg Zimmermann (Die Linke) bezeichnete Russland als „Staat einer nachwirtschaftlichen Modernisierung“ mit viel Privatwirtschaft und vielen Monopolen und sprach sich deshalb gegen den Bau von Terminals der Pipeline aus.

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Den zweiten Themenblock moderierten Ida Gördten und Charlotte Kreuzsaler des Leistungskurses Politik und Wirtschaft der E2 unter der Leitung von Julia Schlösser. Sie legten ihren Schwerpunkt auf die Umweltpolitik, bei der die Demonstrationen „Fridays for Future“ und der Emissionshandel im Vordergrund standen.

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Die weit verbreiteten Demonstrationen, bei denen Schüler jeden Freitag gegen den Klimawandel demonstrieren und dafür unentschuldigte Fehlstunden in Kauf nehmen, wurden besonders von Anna Kristina Tanev (SPD) und Jörg Zimmermann (Die Linke) unterstützt. „Ich gehöre zu den Lehrern, die freitags ihre Kursbücher zu Hause lassen, um mit den Schülern bei Fridays for Future zu demonstrieren“, gab die SPD-Politikerin zu Protokoll. Michael Gahler (CDU) betonte in diesem Zusammenhang die besondere Verantwortung Deutschlands beim Klimaschutz. Europäische Klimaziele sollten umgesetzt und gerade Entwicklungsländer unterstützt werden. „Das Geschwätz muss endlich ein Ende haben“, hieß es deutlich von Jörg Zimmermann (Die Linke), der es ablehnt, Klimaziele auf das Jahr 2030 oder 2050 zu verschieben. Es müssten stattdessen grundsätzliche Weichen gestellt werden. So sei auch die Elektromobilität insgesamt nicht förderlich. Daraufhin entgegnete Michael Gahler (CDU) mit fraktionsübergreifenden Beschlüssen und Erfolgen bezüglich der CO2-Reduktion. „Alles braucht seine Zeit“, da es möglich sein müsse, die Ziele technisch umzusetzen. Nach leichter Verspätung war nun auch Sebastian Schaub (B90/Die Grünen) anwesend: „Durch die Fridays for Future-Demonstrationen sind die anderen Parteien endlich aufgewacht“, betonte er gleich zu Beginn. Seine Partei setze bei der kommenden Wahl insbesondere auf den Umweltschutz, die soziale Gerechtigkeit und die Einheit Europas.

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Auch das Thema CO2- Steuern wurde heftig diskutiert. Dirk Tiemann (FDP) sieht die Steuern als einen Preismechanismus für den Umweltschutz an und befürwortete deshalb die Bepreisung der Abgase, wollte aber gleichzeitig auch die Anzahl der Zertifikate minimieren. Das Signal sei gesetzt, nun gelte es, beispielsweise in Parteien einzutreten und sich weiter zu engagieren. Auch Sebastian Schaub (B90/Die Grünen) sieht eine solche Steuer als positiv an: „Das ist der einzige realistische Weg, den wir im Moment gehen können“. Auch der Emissionshandel sei ein pragmatischer Weg, wenn auch nicht die beste Variante. Es müsse mehr in Forschung für erneuerbare Energien investiert werden. Jörg Zimmermann (Die Linke) beurteilt den Emissionshandel und eine CO2- Steuer als zwecklos und ineffizient: „Das taugt nichts. Wir müssen den CO2-Ausstoß begrenzen, nicht besteuern“. Das Verletzen des Planeten dürfe nicht zum Recht werden. Anna Kristina Tanev (SPD) sieht die Sanktionen als nötig, denn auf freiwilliger Basis könne man nichts mehr erreichen. „Wir brauchen den Emissionshandel weltweit“, so Tanev. Michael Gahler (CDU) fügte hinzu: „Der Effekt tritt langsam ein“.

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Insgesamt war die 90-minütige Diskussion sehr lebendig, da zwischen den Parteien die Meinungsverschiedenheiten deutlich erkennbar waren und die Gesprächsthemen für zahlreiche konstruktive Konflikte sorgten. Abschließend bedankte sich Julia Schlösser stellvertretend für die gesamte Schulgemeinde bei den Vertretern der Parteien und wünschte ihnen viel Erfolg für die anstehende Europawahl.

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Weitere Bilder der Podiumsdiskussion finden Sie in der Fotogalerie.

(Bericht: Lorena Fladenhofer, Fotos: MM)