Theater wird an vielen Schulen im Kreis Limburg-Weilburg gespielt - so auch in der Marienschule. Ich bin selbst Mitglied in der AG und habe mich einmal umgehört, warum meine Schauspielkollegen überhaupt Theater spielen und was das für sie mit einem guten Leben zu tun hat.

Theater AG Junge Zeitung 2019
„Theater spielen kann sehr viel bewirken“, sagt Cara Basquitt. Sie ist Theaterpädagogin und leitet die AG an der Marienschule in Limburg. „Die theaterpädagogischen Methoden und das Präsentieren auf der Bühne stärken das Selbstbewusstsein und durch das Schlüpfen in unterschiedliche Rollen lernen die Jugendlichen verschiedene Meinungen und Haltungen kennen und stärken dabei gleichzeitig ihre Empathie-Fähigkeit“, erklärt sie weiter.

Und genau das merken auch wir Schüler auf der Bühne. Beim Theaterspielen muss man oft aus seiner Komfortzone herauskommen und Dinge tun, die man sich sonst nie trauen würde. Aber gerade das macht so viel Spaß dabei. Man kann seine Fantasie ausleben und seine Rollen selbst gestalten. Dabei muss man sich genau in seine Rolle hinein versetzen. Wie würde der jeweilige Charakter sprechen? Wie würde er auf der Bühne agieren?

Auch das Arbeiten mit den Stücken bereitet viel Freude. Gerade zu klassischen Stücken oder Büchern bekommt man einen ganz anderen Zugang geboten durch das Theater. Im Sommer 2017 zum Beispiel spielten wir die Odyssee und im Jahr davor ein Stück über das Tagebuch der Anne Frank. Anders als im Deutschunterricht hatten wir unglaublich viel Zeit, uns in die Personen hinter der Geschichte hineinzuversetzen und die historischen Zusammenhänge zu verstehen. Man setzt sich so auch oft mit Gesellschaftskritik auseinander und kann die verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen differenzierter sehen.

Darüber hinaus „lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie demokratische Prozesse ablaufen, und erfahren, was es bedeutet Verantwortung in einer Gruppe zu übernehmen“, wie es Cara Basquitt ausdrückt. Für uns heißt das, dass wir durch unsere Stücke eine richtige kleine Familie geworden sind, in die man sich flüchten kann, wenn einem der eintönige Schulalltag zu langweilig wird.

Es macht einen auch definitiv sehr selbstbewusst, auf der Bühne zu stehen. Man kann viel besser mit Lampenfieber umgehen und ist sehr viel gelassener, wenn man vor großen Gruppen stehen muss. Das Beste: All das können wir mitnehmen für das, was uns noch erwartet, wie zum Beispiel das Studium oder den Beruf.

Am schönsten ist allerdings immer noch, dass wir uns nicht darum kümmern müssen, was die anderen von uns denken und auf der Bühne einfach alles ausprobieren können, was wir wollen. Wie es Theresa, 16, sagt: „Außerhalb der Theater-AG würde ich für verrückt gehalten werden, aber hier darf ich so verrückt sein, wie ich will.“

Verrückt wird es auf jeden Fall in unserem diesjährigen Stück: „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt. Denn was könnte verrückter sein als eine Komödie über drei Physiker in einer Irrenanstalt? Dass sie eigentlich nicht verrückt, sondern in geheimer Mission unterwegs sind, weiß natürlich niemand. Oder?

Das Stück wird am Samstag, 15. Juni, um 20 Uhr und am Sonntag, 16. Juni, um 18 Uhr in der Aula der Marienschule aufgeführt. Karten sind an der Abendkasse für vier Euro (ermäßigt drei Euro) erhältlich.

(Bericht: Emily Elßner, Foto: Cara Basquitt)