Im Rahmen der Aktion "Chef für 1 Tag" von Focus Money durfte die Schülerin der Marienschule Limburg, Inga Gensior, Randstad Deutschland CEO Richard Jager für einen Tag begleiten. Inga Gensior berichtet über ihre Erfahrungen als „Chefin für 1 Tag“ bei Randstad:

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Mein Tag als Chefin bei Randstad begann am 6. Februar 2019 bereits früh. Um 7:15 wurde ich voller Vorfreude mittels Taxi in die deutsche Randstad Zentrale nach Eschborn chauffiert, wo ich auch gleich sehr herzlich von Helene Schmidt (Presseabteilung von Randstad) und Susanne Theisen-Canibol (Geschäftsführerin von „Chef für 1 Tag“) empfangen und begrüßt wurde.
Nachdem die ersten Fotos geschossen waren, wurde ich direkt in „mein“ neues Büro geführt, indem Richard Jager (regulärer CEO von Randstad) mich schon erwartete und herzlich willkommen hieß. Nach einer kurzen Einführung in den geplanten Tagesablauf, begann mein „Chefdasein“ sofort mit entsprechenden betriebsgesellschaftlichen und repräsentativen Pflichten: Geburtstagskarten an Mitarbeiter schreiben und Begrüßung der neuen Consultants in der Business School. Bei letzterer fiel mir als erstes positiv auf, dass Richard versuchte, die Distanz zwischen sich und den neuen Mitarbeitern abzubauen, den Nimbus des Geschäftsführers zu minimieren, um zu verdeutlichen, dass auf der einen Seite nicht die Geschäftsführung, auf der anderen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen, sondern alle an einem Strang ziehen müssen. Durch Unnahbarkeit ist dieses Ziel nicht erreichbar.
Nach diesem Termin folgten die lehrreichsten zwei Stunden an diesem Tag, in denen ich von meinem „Co“ Richard durch das Haus geführt wurde und in zahlreiche Büros und verschiedene Meetings platzte. Neben dem Schütteln zahlloser Hände erhielt ich so einen Einblick in die Organisationsstruktur des Hauses und die Tätigkeitsfelder vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Besonders erstaunt war ich, dass auf einem der Meetings ernsthaft nach meiner Meinung gefragt wurde. Ich denke für die daraufhin geäußerten Antworten einer „Juniorchefin“, die ins kalte Wasser geworfen wurde, brauchte sich niemand „fremdschämen“. Falls doch, haben es alle Anwesenden prima verstanden, dies zu verbergen. Vielen Dank!
Im Anschluss an eine andere Sitzung, die mit Finanzen zu tun hatte, nahm sich Jan Ole Schneider, seines Zeichens CFO, dankenswerterweise die Zeit und führte mich in seinen für Firmen so existentiellen Arbeitsbereich ein. „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“, ist ja nicht erst seit Goethe eine Erkenntnis, die grundlegend die Wirtschaft treibt.
Das Wertvollste an diesem Rundgang waren jedoch, weil in Büchern nicht nachzulesen, die informellen Kommentare und Erläuterungen, sowie insbesondere die „Lebensweisheiten“ eines Chefs, die mir Richard während dieses Crashkurses mitgab. Bemerkungen wie beispielhaft „wenn es um Geld geht, musst Du als Chef immer erst nein sagen“, oder im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „immer nachfragen, horchen nach Verbesserungsvorschlägen“, gaben mir Einblick in den Leitungsalltag und den Führungsstil eines Chefs.

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Ein weiteres hinterließ bei mir einen sehr guten Eindruck: Ich wurde aufgefordert, absolut ehrlich und offen alles anzusprechen, was mir an diesem Tage auffiele, egal, zu welchem Thema und in welchem Zusammenhang, damit tatsächlich schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden könnte. Theoretisch bewusst war es mir schon vorher, aber auf diesem Rundgang konnte ich es erstmals persönlich erfahren: Chefs sind in einem modernen Unternehmen keine Alleinherrscher mehr, sondern Mannschaftsspieler, zugegebenermaßen privilegierte, die auf die konstruktive und vertrauensvolle Mitwirkung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grundlegend angewiesen sind, den Überblick haben, Betriebs- und Arbeitsabläufe im Sinne der Firmenziele immerzu optimieren müssen. Noch gefragter als eine sehr gute fachliche Qualifikation sind folglich sehr gute Ohren, das dritte Auge, organisatorische Fähigkeiten und herausragende Führungseigenschaften.
Im weiteren Tagesablauf wurde ich in der Kommunikations- und Marketingabteilung für das Intranet interviewt, eine Prozedur, der sich bei Randstad alle CEOs unterziehen müssen, damit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese kennenlernen können. Ganz unkonventionell wurde ich von einem Auszubildenden und einer Studentin befragt. Das ganze Interview war total zwanglos, hat Spaß gemacht und war vor allem für mich lehrreich, denn nicht nur die Interviewer stellten eifrig Fragen. Die Löcher die ich in den Bäuchen von Steffi und Marco hinterlassen habe, waren ansehnlich.

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Nach dem gemeinsamen Mittagessen stand für mich ein Besuch der Randstad Niederlassung in der Frankfurter Innenstadt an. Dort traf ich auf Kerstin Sucker und Ronny Schäfer (Branch Manager der Frankfurter Niederlassung), die mir nochmals einen detaillierten Einblick in das Tätigkeitsfeld und die Arbeitsabläufe einer Niederlassung mit Publikumsverkehr vermittelten. Sie standen mir zwei geschlagene Stunden Rede und Antwort, zeigten mir die Räumlichkeiten und thematisierten auch Probleme vor Ort, wie Großraumbüro und Parkgebühren in Frankfurt.
Nach der Rückkehr in die Zentrale in Eschborn war dieser aufregende und lehrreiche Tag dann auch schon viel zu schnell zu Ende. Ich durfte Einblick nehmen in ein vielseitiges und hochinteressantes Betätigungs- und Wirkungsfeld. Selbstverständlich schmeichelt das so erlebte „Chef-Sein“ der Eitelkeit eines Teenagers und ist verführerisch: Nichtsdestotrotz wurde mir klar, dass im normalen Tagesablauf harte Arbeit, Fleiß, Ärger und Freude stehen; insbesondere aber der Erhalt und die Weiterentwicklung des komplizierten Netzwerks der Organisation, der Fähigkeiten und Eigenschaften aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (neudeutsch: human resources) fordern den Vorgesetzten. Denn der großen, existentiellen Verantwortung für viele Menschen gerecht zu werden, ist die wahre Aufgabe und Bürde eines Chefs.
Ich danke allen herzlich, die mir diesen Tag bei Randstad ermöglicht haben, die mich betreut haben, die bereit waren, mir Rede und Antwort zu stehen und mich Einblick in ihr Berufsleben und mehr nehmen ließen. Die Freundlichkeit, Zuvorkommenheit und Offenheit, mit der ich empfangen und behandelt wurde, obschon ich als Störfaktor im laufenden Betrieb wirken musste, war keinesfalls selbstverständlich. Vielen herzlichen Dank! Ich werde diesen Tag nicht vergessen!

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(Text: Inga Gensior, Fotos: Heike Rost)