In der Marienschule berichtet sie unter anderem über Projekte im mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld oder den Besuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Jetzt hatte Oberstufenschülerin Ilona Kalte in Berlin die Möglichkeit, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek kennenzulernen – als Teilnehmerin des Jugendpressetags 2018. Über ihre Begegnung berichtet Ilona Kalte:

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Am Freitag, den 14. Dezember 2018 war es endlich soweit. Ich konnte mit dem Zug nach Berlin aufbrechen, nachdem ich mich erfolgreich für den diesjährigen Jugendpressetag beworben hatte. Der Tag begann im Bundesministerium für Bildung und Forschung, wo die 60 Lokal-/Schuljournalisten aus sämtlichen Bundesländern, herzlichst von dem Organisator Alexander Kolb vom Jugendmedienzentrum Deutschland empfangen wurden. Anschließend wurden wir kurz durch das beeindruckende Ministerium geführt, was an architektonischer Kunst einiges zu bieten hatte. Schließlich fanden sich alle Teilnehmer im Konferenzraum des Ministeriums ein und warteten gespannt auf die Bildungs-/Forschungsministerin Anja Karlicezk.

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Als Frau Karliczek ankam, herrschte zuerst eine angespannt Stille im Raum, die sich durch die offene Art der Ministerin aber sofort verflüchtigte. Jeder der Teilnehmer hatte sich bestens auf das Interview der Ministerin vorbereitet und wollte unbedingt seine Frage stellen. Zuerst sprachen wir über die politische Karriere von Anja Karliczek. Diese sei „schon in der Schule immer gerne in VWL und Politik gegangen“ und habe daher zuerst ein ehrenamtliches Amt in ihrem Stadtrat übernommen, bevor sie dort zur Vorsitzenden gewählt und später auch für den Bundestag vorgeschlagen wurde. Auf die Frage, ob das alles so geplant gewesen antwortete Frau Karliczek, dass das „alles aus glücklichen Zufällen und guten Wendungen“ resultiere, sie aber sehr glücklich mit ihrem jetzigen Beruf sei und gerne im Bundestag arbeite. Dennoch erklärte sie, dass man so etwas nie planen könne, da man zu sehr von Außeneinflüssen abhängig sei. In diesem Kontext würdigte sie auch die Arbeit der Journalisten und betonte den großen Einfluss der Medien und Zeitung als 4. Gewalt einer Demokratie.

Anschließend wurde natürlich viel über Politik geredet und auch diskutiert. Zur Bildungspolitik erläuterte Karliczek, dass sie auf jeden Fall diese Sparte noch teilweise den Ländern überlassen wolle, damit individuelle Anpassungen möglichen seien. Des Weiteren erklärte sie, dass sie die Digitalisierung aus Wirtschaftsgründen vorantreiben wolle, es aber auch für unerlässlich halte mehr digitale Medien in die Bildung einzubinden. Sie griff die Diskussionen zum Digitalpakt auf und dass dieser jene positive Entwicklung beschleunigen würde und sie sich deswegen so massiv dafür einsetze.

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Wichtig erschien auch die Frage nach weiterer Förderung der MINT-Fächer. Hier machte die Ministerin ganz deutlich, dass diese Fächer „die Zukunft brächten und noch viel mehr Interessenten“ bräuchten. Besonders hob sie hier auch die Talentförderung von begabten Schülern und Schülerinnen auch aus schwachem sozialem Umfeld hervor, indem sie „Wir brauchen Spitzenköpfe und von ihnen entwickelte Innovationen“ zu ihrem Leitsatz im gesamten Gespräch werden ließ. Besonders betonte sie die Wichtigkeit des Faches Informatik, welcher über die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz der „Schlüssel zur Zukunft“ sei. In dem Kontext kam die Frage nach dem forschungstechnischen Fortschritt Deutschlands auf. Hier bekannte sich die Ministerin zur harten Konkurrenz, welche entwicklungstechnisch auf dem Informatikgebiet schon viel weiter ist. Karliczek forderte auf mehr Mut zu haben auch „ins Unbekannte zu investieren“ und durch solche Sprunginnovationen neue Märkte zu erschließen, damit Deutschland seine gute wirtschaftliche Vormachtstellung halten könne. Daher sei es ihr Plan die MINT-Fächer an Schulen attraktiver machen.

Doch ist Deutschlands Schulpolitik jetzt gut oder gibt es mehr Schwachstellen? „Wir sehen unsere Bildungspolitik als viel zu schlecht an. Wir liegen in Rankings ganz vorne.“, meinte Karliczek optimistisch. Jedoch kritisierte sie den teilweise ausschließlich theoretischen Unterricht an Universitäten und den bestehenden Unterschied zwischen ehemaligem Ost- und Westdeutschland, welcher aber durch den Digitalisierungspakt weitgehend behoben werde. Konfrontiert wurde die Ministerin auch mit Studien, die bewiesen, dass sich die Schüler an den Schulen unter zunehmenden Stress befänden und aus dem immensen Leistungsdruck auch teilweise psychische Erkrankungen resultierten. Dies nahm Frau Karliczek sehr ernst und erklärte, dass sich dies vor allem daraus ergebe, dass in Deutschland ein guter Schulabschluss als mit das Wichtigste erachtet werde und deswegen viele Eltern versuchten, ihre Kinder unter allen Umständen zum Abitur zu bringen. Hier führte sie aus, dass „Deutschland immer ein Land der Möglichkeiten“ sei und es wichtig wäre deutlich zu machen, dass man seinen Abschluss nachträglich immer noch erweitern könne und mittlere Reife oder ein Hauptschulabschluss als zu schlecht erachtet und deswegen aufgewertet werden müssten. „Die Freude am Lernen ist nämlich das, was uns leistungsfähig“ verdeutlichte ihre Haltung gegenüber schulischem Druck und war das Statement mit dem das kurzweilige Interview auch schon endete, da die Ministerin noch ein Interview geben musste, bei dem wir zusehen durften und die Arbeit von großen Medien, wie dem ARD, beobachten durften.

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Anschließend gab es eine kurze Mittagspause, bevor wir die einmalige Chance bekamen das erst 2019 eröffnende „Futurium“ direkt neben dem Ministerium zu besichtigen. Thema dieses außergewöhnlichen Museums ist die Zukunft, Visionen die wir mit Zukunft verbinden und Entwicklungen der Zukunft. Ein hochmodernes Gebäude lässt die Zukunft als Forum zum Austausch, in Modellausstellungen und sogar in einem interaktiven Labor zur Erfahrung werden. Passend zum Thema des Wissenschaftsjahres 2018 war „Arbeitswelten der Zukunft“, war dieses innovative und futuristische Museum der richtige Ort, um diesen interessanten und gelungenen Tag ausklingen zu lassen.

(Bericht: Ilona Kalte)