„Herzlich willkommen zu unserer Podiumsdebatte anlässlich der hessischen Landtagswahl am kommenden Sonntag“, so begrüßten die Moderatorinnen Miranda Frölich und Juliana Stock die Zuhörer*innen an diesem Dienstagvormittag. In der Aula der Marienschule hatten sich zahlreiche Oberstufenschülerinnen und -schüler eingefunden, um der Diskussion der Kandidat*innen Joachim Veyhelmann (CDU), Viktoria Spiegelberg-Kamens (SPD), Sebastian Schaub (Bündnis 90/Die Grünen), Harff-Dieter Salm (Linke), Marion Schardt-Sauer (FDP) und Thomas Crecelius-Lamboy (AfD) beizuwohnen.

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Nachdem die Kandidaten kurz ihrem Publikum vorgestellt worden sind, haben sie jeweils 30 Sekunden Zeit, einmal kurz zu erklären, wieso sie sich gerade in ihrer Partei engagieren. Es sind recht unterschiedliche Beweggründe, doch letztendlich haben sie alle etwas gemeinsam – die Anwesenden wollen etwas verändern und sich für ein besseres Hessen engagieren. Dass nicht nur die Politiker engagiert sind, sondern auch die leitenden Moderatorinnen, merkt man, als der erste Themenblock des Vormittags eingeleitet wird: Bildung und Digitalisierung, ein wichtiges Thema, gerade für die anwesenden Schüler im Publikum. Gezielt stellen Miranda Frölich und Juliana Stock Fragen zu den verschiedenen Wahlprogrammpunkten der Parteien und kommen so zum Beispiel auf den (vermeintlichen) Lehrermangel Hessens zu sprechen.

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CDU-Politiker und Kreistags-Vorsitzender Joachim Veyhelmann sagt, es gebe keinen Lehrermangel. Die Stellen seien da und besetzt, bloß geschehe dies vorwiegend an Gymnasien oder generell weiterführenden Schulen, Probleme gebe es aber an Grundschulen, wo es landesweit im Vergleich zu den anderen Schulformen zu wenige Interessenten gebe. Die Meinung der SPD-Kandidatin Viktoria Spiegelberg-Kamens ist das nicht. Die Behauptung, es gebe keinen Lehrermangel sei falsch, sagt sie. Gerade erst sei eine Umfrage zum Thema Stundenausfall an Schulen durchgeführt worden, und die Zahlen mit über 1.500 Stunden an nur einem Tag sprächen für sich. Allein diese erste Frage wird ausgiebig diskutiert, und auch die nächsten Problemstellungen der Moderatorinnen an die Kandidaten sorgen für reichlich Zündstoff. So spricht sich Linke-Kandidat Harff-Dieter Salm für Regelschulen aus und Marion Schardt-Sauer (FDP) dafür, dass Schulen selbstständig über ihre Schwerpunkte entscheiden; Thomas Crecelius-Lamboy fordert, Einheitsschulen abzuschaffen. Das alles schafft einen enormen Rede- und Konterbedarf, sodass Miranda Frölich und Juliana Stock ihre Gäste mehr als einmal aus zeitlichen Gründen stoppen müssen. Denn es steht noch viel an.

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„Denken Sie wirklich, dass der digitale Umschwung ein Allheilmittel für Probleme, besonders im Schulalltag, ist?“, lautet nämlich die nächste Frage vom Moderatorenteam. Auch hier gehen die Meinungen weit auseinander. Sebastian Schaub gibt den Schülerinnen und Schülern in der Aula zum Ende seines Statements aber einen ganz gezielten Ratschlag: „Nehmt es selber in die Hand!“ Die Digitalisierung an Schulen sei etwas, von dem sie Lernen lernen könnten, so der Grüne-Politiker, der selbst zwei Kinder hat, die die Marienschule besuchten oder noch besuchen. Thomas Crecelius-Lamboy von der AfD sagt ebenfalls, dass die Jugend lernen muss, mit der Digitalisierung umzugehen – diese aber vor allen Dingen an Schulen kein Zauberwort sei und andere Probleme wie Mobbing und ähnliches nicht vorbeugen kann. Marion Schardt-Sauer spricht sich gleich von einem „Ob“ in Bezug auf Digitalisierung, auch an Schulen, los. Man sei schon ein Teil dieses Prozesses, der auch ein wichtiger sei, wie sie im Vergleich mit der industriellen Revolution verdeutlicht. Ob der Einsatz digitaler Medien aber tatsächlich auch die Unterrichtsqualität verbessern würde, das hat der Leistungskurs von Benjamin Nahm sich auch gefragt und eine Umfrage unter den Schülern seines Jahrgangs durchgeführt. 82,9% stimmten hierbei für Ja; 17,1% stimmten für Nein. Die Co-Moderatoren Lasse Behrens und Ole Schön lassen dienjenigen, die für Nein gestimmt haben, nun eine Gelegenheit, ihren Standpunkt zu erklären und nehmen auch Publikumsfragen auf, die von den Politikern so gut es geht beantwortet werden.

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Zum Abschluss dieses ersten Themenblocks führen die Moderatoren eine Schnellfragerunde mit den Kandidaten durch, bei der nur mit Ja oder Nein geantwortet werden darf – wer doch versucht, sich zu erklären oder eine vage Antwort gibt, wird von den beiden Oberstufenschülerinnen höflich, aber resolut auf die anfängliche Aufgabe hingewiesen. Tatsächlich sind sich die politischen Gegenkandidaten in den meisten Fragen, wie zum Beispiel ob man Förderschulen weiter unterstützen sollte, sehr einig. Hier sagen alle Ja. Es geht nun weiter mit dem zweiten Themenblick, rund um Umwelt, Verkehr und Wohnen. Themen wie die Dieseldebatte und der Ausbau des ÖPVN (öffentlicher Personennahverkehr), Windkraft und die steigenden Mieten werden besprochen, man tauscht sich angeregt aus. Auch hierzu werden wieder Publikumsfragen gestellt, und auch eine Schnellfragerunde erfolgt erneut. Wieder sind sich die Kontrahenten in einigen Fragen klar einig – dass von Seiten des Bundes zum Beispiel schon viel früher gegen Dieselfahrverbote eingegriffen hätte werden sollen.

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Jetzt erfolgt auch schon der Abschluss, in dem jeder der sechs Kandidaten noch einmal in zwei kurzen Sätzen für die eigene Partei wirbt und den Erstwählern und auch anderen im Saal mitgibt, wie wichtig es ist, zu wählen und sich politisch zu interessieren und engagieren. „Wir mussten leider mehr als ein ganzes Drittel aus Zeitgründen weglassen, das war ein ganzer Themenblock“, sagt Miranda Frölich nach der Diskussion. Dennoch sind sie und ihre Kollegin und die beiden Co-Moderatoren sich einig – dass war eine gelungene und entspannte Veranstaltung. Auch Joachim Veyhelmann äußert sich positiv. Alle seien sehr gut vorbereitet gewesen und er freue sich jedes Mal, wenn er an Schulen eingeladen wird, um mit der Jugend über Politik zu diskutieren und auch Erstwähler zum Engagement in der Politik zu animieren. Er beantworte gerne Fragen, denn auch wenn er oft nicht sage, was das Publikum hören wolle, so sei er dabei doch immer ehrlich. „Politik muss glaubwürdig sein“, sagt er zum Schluss.

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Nach etwas mehr als 90 Minuten ist eine interessante Veranstaltung vorbei. Dass auch die AfD an der Podiumsdiskussion teilnahm, hat zu definitiv mehr Spannungen geführt, aber gerade das regte die Unterhaltung an. Der Gesprächsstoff ging nie aus und am Ende sind sich die Kandidaten in allem einig: Wählen ist wichtig, und geht alle etwas an.

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(Bericht: Emily Elßner, Fotos: MM)