Das kleine Stück vom großen Glück ist schon ziemlich viel Glück. Auf diesen Gedanken kann man leicht kommen, wenn man sich die Ausstellung zu den Armutswochen der Caritas in der Einkaufspassage der WerkStadt anschaut. Insgesamt gibt es zehn Werke von Schülerinnen der PivA-Klasse (praxisintegrierte vergütete Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher) der Marienschule Limburg zu sehen.

Zusammen mit ihrer Kunstlehrerin Petra Broo haben sie sich kreativ der Mottofrage der diesjährigen Armutswochen „Was brauchst Du für ein gutes Leben?“ angenähert. Dafür haben die zehn Schülerinnen „ihre“ Kinder in den Kindertageseinrichtungen, in denen sie eingesetzt sind, interviewt. Mit den Antworten der Kinder im Gepäck haben sie große, farbenfrohe und berührende Bilder gemalt. Nach der Ausstellung in Limburg kann die Ausstellung „gebucht“ werden und auf Wanderschaft gehen.

Ausstellung Piva 2021

Die beiden Organisatoren der Ausstellung mit vier der insgesamt zehn Künstlerinnen (v.l.n.r.): Jessica Magnus (DiCV Limburg), Lilit Grigoryan, Jessie Neumann, Sophia Schäfer, Jessica Kuch und Stefan Baudach (DiCV Limburg).

„Oft sind es die scheinbar kleinen Dinge, die besonders glücklich machen. Für einige der Kinder ist es das Fußballspielen, das Mittagessen mit den Großeltern oder einfach nur getröstet zu werden. Glück ist demnach auch, Vertrauen zu spüren und in Familie und Freundeskreis Sicherheit und Geborgenheit zu erfahren“, erklärt Stefan Baudach, Referent beim Caritasverband für die Diözese Limburg, bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Samstag. „Dieses Glück zu haben, bedeutet privilegiert zu sein. Vielen Kindern und Jugendlichen fehlen Rückzugsräume, Orte der Sicherheit und Zugänge zu Bildung und Teilhabe. In Deutschland wächst derzeit jedes fünfte Kind in Armut auf. Wovon wir ausgehen müssen ist, dass sich die Not durch Corona eher verstärkt und bestehende Benachteiligungen größer werden,“ führt er aus. Bei den Armutswochen der Caritas geht es genau um solche Fragen und um Debatten um Teilhabe, Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Um die Schülerinnen der PivA-Klasse für das Thema Armut zu sensibilisieren, gab es im Vorfeld eine Unterrichtseinheit zum Thema.

„Das ist für mich gelebte Caritas“

Da der Sektempfang, der klassischerweise zu einer Vernissage dazugehört, pandemiebedingt nicht möglich war, wurde er „to go“ organisiert. Verteilt wurde Apfelsaft aus der Region, Knabbergebäck in Tüten und Postkarten, die die Bilder der Ausstellung zeigen. Viele Passanten blieben stehen und kamen so ins Gespräch mit den Ausstellungsmachern und den Malerinnen. „Die Konzeption und Organisation dieser Veranstaltung hat mir sehr viel Spaß gemacht. Neben der Erstellung eines kunstpädagogischen Konzeptes, das natürlich auch weiter verwendet werden kann, haben wir es geschafft, dass Menschen stehen geblieben sind und sich trotz ihrer begrenzten Zeit auf Gespräche mit uns als Caritasvertretern eingelassen haben - nicht nur über die kleinen und großen Dinge, die glücklich machen und stärken, sondern auch über das neue Modell der vergüteten Erzieherinnenausbildung und die Positionen der Caritas zum Thema Kinderarmut. Das ist für mich gelebte Caritas“, resümiert Jessica Magnus, Referentin Soziale Sicherung beim Caritasverband für die Diözese Limburg.

(Foto: Lanz/DiCV Limburg)