„Limburg ist eine sichere Stadt“, hat Hessens Innenminister Peter Beuth bei der Podiumsdiskussion zu Sicherheitsfragen in der Limburger Marienschule klargestellt. Die Schülerschaft machte dem Staatsminister und dem Ersten Stadtrat Michael Stanke hingegen deutlich, dass es viele gute Gründe gibt, sich insbesondere im Bereich des Bahnhofs unsicher zu fühlen. Zwei Stunden lang diskutierte die Oberstufe mit den geladenen Gästen intensiv über die Fragestellung „Gefühlte Verunsicherung oder tatsächliche Bedrohung: Gibt es eine veränderte Sicherheitslage?“

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Die Limburger Bevölkerung und auch die Schülerschaft der Marienschule fühlen sich zunehmend unsicher. Das ist spätestens seit einer Umfrage von Stadt und Polizei, die im Mai 2018 veröffentlicht wurde, bekannt. Vor allem der Bahnhof stellt einen Brennpunkt dar, aber auch auf dem Schulgelände der Marienschule ist es zu Vorfällen gekommen. Auch aus diesem Grund stellten sich Peter Beuth und Michael Stanke am 30. Mai 2018 den Fragen der Oberstufe der Marienschule. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte der Politik- und Wirtschafts-Leistungskurs von Dirk Fredl. Gekommen waren nicht nur die beiden Talkgäste, sondern mit Westhessens Polizeipräsident Stefan Müller, Limburgs stellvertretendem Polizeidirektor Thomas Ernst und Polizei-Jugendkoordinatorin Claudia Lehnhäuser drei hochrangige Vertreter der Sicherheitsbehörden. Mit den Bundes- bzw. Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister, Joachim Veyhelmann und Klaus-Peter Willsch sowie mit Stadtverordnetenvorsteher Michael Köberle waren auch die Spitzen der regionalen Politik gut vertreten – wie auch die Schulaufsicht mit Schulamtsleiter Michael Scholz. Eine Präsenz, die verdeutlicht, wie wichtig das Thema und damit auch die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler der Marienschule den Verantwortlichen ist.

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Nach einer Begrüßung durch Schulleiterin Henrike Zilling wurde zunächst das Leben der beiden Bühnengäste durch die Schülerin Jill Rasch skizziert. Anschließend führten die Moderatoren Karl Behrendt und Laura Hammer sicher durch die lebhafte Podiumsdiskussion, bei der es im ersten Themenblock direkt kritisch losging mit der Frage nach der Sicherheit in Limburg und an der Marienschule. Schon zu Beginn war der Bahnhof ein zentrales Thema. So konnten die Schüler ihre eigenen Erfahrungen schildern, wobei Daniel Eckstein die Publikumsmoderation übernahm. Nichtsdestotrotz betonte Innenminister Peter Beuth immer wieder, dass die Sicherheitslage objektiv so gut wie nie zuvor sei. Es gebe eine sehr gute Aufklärungsrate und auch Straftaten würden zurückgehen: „Im Kreis Limburg-Weilburg sind mit 7.917 Straftaten im vergangenen Jahr 250 weniger als im Vorjahr angezeigt worden.“ Vor zehn Jahren seien es sogar 9.839 Straftagen gewesen, so der Staatsminister. Diese Tatsache müsse man den Bewohnern nahebringen, um das Sicherheitsgefühl zu steigern. Stanke und Beuth hoben hervor, dass dieses aber von Landesregierung und Stadt sehr ernst genommen werde, es könne nicht hingenommen werden, dass sich insbesondere Schülerinnen dort nicht mehr hin trauen würden, wie dies in der Aula deutlich wurde.

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Deshalb werde es in Limburg ab August drei zusätzliche Stellen und damit eine Streife mehr auf der Straße geben, verkündete der Innenminister. Auf die Frage der Moderatoren, ob mehr Videoüberwachung ebenfalls ein Werkzeug zur Steigerung des Sicherheitsgefühls sein solle, bejahten dies beide Politiker. Trotzdem führte Stanke aus, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass sich die Videoüberwachung über den Neumarkt hinaus auch auf die ganze Fußgängerzone ausweitete. Wie und in welchem Umfang die bestehende Anlage ausgebaut werde, müsse aber erst noch in der Stadtverordnetenversammlung entschieden werden. Die Schülerinnen und Schüler der Marienschule reagierten jedoch mehrheitlich eher skeptisch gegenüber solchen Ideen, denn nur durch Videoanlagen fühlten sie sich nicht sicherer. Deshalb betonte Michael Stanke darüber hinaus, dass die Stadt in naher Zukunft auch die Beleuchtung in Limburg verbessern wolle. Kritisch meldete die Schülerschaft zudem zurück, dass es mitunter über eine Stunde dauere, bis die Polizei nach einem Notruf erscheine, was der Innenminister jedoch so nicht stehen lassen wollte.

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Im zweiten Block der Podiumsdiskussion ging es anschließend um gesellschaftliche Veränderungen. So waren vor allem Flüchtlinge ein Thema, die auch bei der städtischen Umfrage als einer der Gründe der Verunsicherung genannt worden waren. Dabei stellte Peter Beuth schon zu Beginn klar, dass Deutschland sich keine Straftäter ins Land geholt habe, wie Statistiken belegten. Wer sich jedoch nicht benehmen könne, der solle abgeschoben werden. Diese Meinung teilte auch Michael Stanke.

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Zum Abschluss nahmen beide Politiker Stellung zu verschiedenen Karikaturen, die Jill Rasch Ihnen vorstellte. Zudem einigten sich Innenminister Peter Beuth und Limburgers Erster Stadtrat Michael Stanke auf eine erweiterte Zusammenarbeit. So sprach der Minister eine Einladung an Limburg aus, dem hessischen Pilotprojekt KOMPASS zur Sicherheitsverbesserung in Kommunen beizutreten: Das „Kommunalprogramm Sicherheitssiegel“ hat das Ziel, alle relevanten Sicherheitspartner vor Ort zusammenzubringen und so präventiv die Sicherheitsarchitektur zu verbessern. Es soll sich also einiges in Limburg tun – die bereits heute verstärkte Präsenz von Polizei und Ordnungsamt wird auch in der Marienschule erfreut wahrgenommen.

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Im Anschluss an die Diskussion lobte Innenminister Peter Beuth das große Engagement des Moderatorenteams, aber auch die vielen kritischen Fragen aus der Schülerschaft. Und Schulamtsleiter Michael Scholz, der bereits zum dritten Mal Gast bei einer Podiumsdiskussion war, zeigte sich sehr erfreut darüber, dass das hohe Niveau der Veranstaltungsreihe erneut gehalten worden sei.

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(Bericht: Franziska Seitz, Fotos: MM | FD)