"Gott, ich tue das meine, tu du das deine!" Mit diesem Satz fuhr ich als als Mitglied des schulischen Krisenteams des Bistums Mainz und der evangelischen Kirche Hessen und Nassau und Kurhessen Waldeck die ersten drei Schultage an eine Schule in Bad Neuenahr-Ahrweilen. Wir unterstützten die Kolleg*innen und Mitarbeitenden sowie die Schüler*innen in der Schule beim Schulanfang nach der katastrophalen Flut im Ahrtal.

Erschreckend waren die Bilder im Fernsehen, aber das Ausmaß an Zerstörung zu sehen war erschütternd – und das nach 6 Wochen Aufräumarbeit.

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Die Schule wurde bis zum 1. Stock überschwemmt. Innerhalb von 6 Wochen wurde riesig viel organisiert, so dass die Schüler*innen kommen konnten und hier trotz Unterricht in Containern, verschlammtem Schulhof und vielen Notlösungen einen Hauch von Normalität wiederfanden. Dank des Einsatzes auch der Kolleg*innen.

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Wir wurden sehr herzlich empfangen, denn wir waren da, um an diesen schwierigen Tagen allen zur Seite zu stehen. Die Lehrenden standen zum Teil vor Kindern, die alles verloren hatten, die Schreckliches sahen, aber auch vor Kindern, die noch ihre Urlaubsbilder im Kopf hatten. Wir sprachen mit betroffenen Kindern und Lehren, den Hausmeistern und Sekratärinnen. Ziel der schulischen Krisenseelsorge ist es, die Menschen zu stabilisieren, zu schauen, wo sie, vor allem in sich Halt finden können.

Zu Beginn hatte ich großen Respekt vor dem Einsatz und sprach jeden Morgen: Gott, ich tue das Meine, tu Du das Deine. Aber schon nach kurzer Zeit vor Ort war ich voller Hochachtung vor der Leistung, die Schule wieder zu beginnen, trotz all der Einschränkungen. Sehr berührt haben mich die schrecklichen Erlebnisse der Schüler*innen. Sie haben dennoch je eigene Wege gefunden mit dieser so schwierigen Situation zu leben.

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Hier ein paar ihrer Ideen:

  • Eine Schülerin sammelt Caps von Helfern, z.B. der Feuerwehr aus Berlin und schaut sie sich immer wieder an und erkennt so: Wir bekommen Hilfe, wir sind nicht alleine.
  • Ein Schüler bastelt ein Himmel- und Höllespiel und schreibt in die vier Ecken, welche Sätze ihm helfen. Der erste und wichtigste Satz ist: Deinem Bruder geht es gut (er wäre fast im Haus ertrunken)
  • Er braucht in der Schule seinen Cousin, den er im Gespräch „Transformer“ nennt, denn bei ihm hört die Angst auf


Alles, was ich betragen musste war: gut zuhören und ihnen ihre so klugen Strategien deutlich machen. Ich bin dankbar, dass es dieses schulische Krisenteam gibt. Diese Arbeit ist ein Segen! Es war ein anstrengender, aber trotz allem beglückender Einsatz. Ich habe das meine getan und bin sicher, dass Gott das seine dazu getan hat.

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(Text: Petra Denzer, Fotos: Norbert Lang)