Ab dem kommenden Jahr bietet die Limburger Marienschule zusammen mit der Wilhelm-Löhe-Hochschule aus Fürth ein berufsbegleitendes Hochschulstudium an: In Kooperation mit der bayerischen Universität kann in Limburg das zweisemestrige berufsbegleitende Studium „Gesundheitslotse“ absolviert werden. Den Startschuss für diese hochschulzertifizierte Ausbildung im Gesundheitsbereich hat Bundesminister Jens Spahn in der Marienschule gegeben. Anschließend stellte sich der Gesundheitsminister bei einer Podiumsdiskussion den Fragen der Oberstufe.

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Ideengeber der Kooperation von Schule und Hochschule ist der Landtagsabgeordnete Joachim Veyhelmann. Seine Mitarbeiterin Christine Freifrau von Münster und er waren bei dem Versuch, einer schwerbehinderten Frau zu helfen, auf viele Hürden gestoßen – die erkrankten oder beeinträchtigten Menschen kaum zumutbar sind. „Hier gibt es eine Lücke im Bereich der Unterstützungsangebote“, erläuterte Joachim Veyhelmann im Beisein von Gesundheitsminister, Hochschulvertretern, hochrangingen Lokalpolitikern und der Leitung von Schulträger und Marienschule. Diese Lücke sollen zukünftig die so genannten Gesundheitslotsen schließen. Ein Gesundheitslotse soll Menschen komplementär beraten, sie über konkrete Versorgungsabläufe informieren und sie bei entsprechenden Fragen auch unterstützen. Ein solcher Lotse wäre beispielsweise in Klinken, Sozialämtern, Personalabteilungen oder auch Apotheken tätig, wie Udo Simon, Vorsitzender des Stiftungsrats der sanoris-Stiftung, und Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser, Präsident der Wilhelm-Löhe-Hochschule, erklärten. Seit einem Jahr bietet die bayerische Hochschule die Ausbildung an – und möchte den Studiengang, der auf bundesweites Interesse gestoßen ist, auch wohnortnah anbieten. Erster Kooperationspartner dafür ist die Marienschule, in deren Räumen ab Herbst 2019 das erste Semester berufsbegleitend absolviert werden soll. Dafür reisen die Hochschuldozenten nach Limburg, im zweiten die Studierenden zu Blockseminaren nach Fürth. Andreas von Erdmann, Dezernent für Schule und Bildung im Bistum Limburg, sprach von einer Lernortverknüpfung, die außergewöhnlich sei, von der er sich aber viele Früchte für das Gesundheitswesen verspreche. Joachim Veyhelmann bezeichnete das Angebot als einen weiteren Schritt der gesundheitlichen Versorgung in der Region. Schulleiterin Dr. Henrike Zilling hob hervor, dass die Marienschule für dieses gesundheitliche Projekt geradezu prädestiniert sei. Zum einen biete sie im beruflichen Bereich Berufsausbildungen u.a. im Bereich der Heilerziehungspflege an, andererseits hätte die Privatschule erst vor wenigen Tagen die Grundlagen für die Rezertifizierung als gesundheitsfördernde Schule gelegt: „Wir haben einen Fokus auf der Gesundheitsförderung, der Ernährung sowie der Bewegung, wo wir für unsere innovativen Ideen immer wieder von unterschiedlichen externen Institutionen ausgezeichnet werden“, sagte Dr. Henrike Zilling. Zusammen mit Hochschulpräsident Prof. Dr. Reinhard Meier-Walser unterzeichnete die Schulleiterin die Kooperationsvereinbarung – unter dem Applaus des Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch, des Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister, des Landrats Manfred Michel, des Stadtverordnetenvorstehers Michael Köberle und von Bürgermeister Dr. Marius Hahn sowie zahlreicher weiterer Gäste aus Politik und Wissenschaft.
Gesundheitsminister Jens Spahn freute sich über das Engagement der Marienschule im Gesundheitsbereich und bewertete die Kooperation zwischen Schule und Hochschule als äußerst sinnvoll und fortschrittlich. Zusätzlich zeigte er sich von dem Konzept der Ausbildung zum Gesundheitslotsen überzeugt: „In allen Bereichen des Gesundheitswesens benötigen wir mehr Fachkräfte“, sagte der Minister zum Abschluss der Feierstunde, die direkt in die Podiumsdiskussion mit den Oberstufenschülerinnen und –schülern überging.

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Geleitet wurde das folgende Gespräch souverän von Franziska Seitz und Lorena Fladenhofer, Schülerinnen aus dem Leistungskurs Politik und Wirtschaft der Stufe Q1. Zuerst wurde das brisante Thema des Ärztemangels erörtert, bei dem die Moderatorinnen kritisch den Facharztmangel auf dem Land ansprachen. Jens Spahn erklärte daraufhin, dass man diesen Mangel unbedingt beheben müsse und dies nur durch verbesserte Bezahlung sowie veränderte Arbeitsbedingungen möglich sei und dass er die sogenannte „Landarztquote“ befürworte, die dazu führe, dass Abiturienten, die sich für eine Tätigkeit in ländlichen Regionen verpflichten, einen erleichterten Zugang zum Studium erhalten. Eine Dienstpflicht auf dem Land befürwortete der Minister hingegen jedoch nicht, dafür aber die digitale Gesundheitsversorgung. Der Politiker erklärte diesbezüglich, dass es aufgrund des Fernbehandlungsverbotes nicht möglich sei, einen Erstkontakt digital durchzuführen, was er auch als sinnvoll erachte, wies allerdings darauf hin, dass online-Sprechstunden sehr förderlich für die Patienten und Ärzte sei, da so fast rund um die Uhr eine schnelle Kontaktaufnahme erfolgen könne. Anschließend sprach er die Idee der elektrischen Patientenakte an und erklärte, dass er diese gerne bis 2021 durchsetzen würde, jedoch das oberste Gut die persönlichen Patientendaten seien, weswegen der Datenschutz für ein solches Projekt gewährleistet werden müsse.

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Anschließend sprach Lorena Fladenhofer noch verschiedene Gesundheitsapps an, die auch Jens Spahn in Deutschland zulassen möchte, da „Prävention die beste medizinische Lösung“ sei. Auch hier verwies der Gesundheitsminister erneut darauf, dass bei solchen Anwendungen die Daten des Nutzers natürlich ebenfalls restlos geschützt sein müssen. Nachfolgend beantwortet der Bundesminister noch allgemeine Fragen zu Regierungsarbeit. Er gab zu, dass viele Bürger „massiv das Vertrauen in die Politik“ verloren hätten und es für ihn der oberste Leitsatz sei, dieses Vertrauen wiederherzustellen, dies aber nur durch konkrete erfolgreiche Arbeit sowie eine Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft aller Parteien, insbesondere der regierenden, möglich wäre. Er betonte, dass insbesondere die Dieselfahrer und Pflegekräfte sich von der Politik derzeit nicht vertreten fühlten und man dies unbedingt ändern müsse.

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Zum Ende der Podiumsdiskussion beantwortete der Politiker noch Fragen des Publikums bezüglich Pflichtpflegejahr, der anstehenden Hessenwahl und der Überarbeitung der Approbationsordnung. Jens Spahn verabschiedete sich von der begeisterten Schülerschaft mit den Worten „Ihr habt so viele Chancen, wie noch nie - also nutzt diese“ und hinterließ einen rundum positiven Eindruck.

(Bericht: Ilona Kalte, Fotos: MM)