Über den eigenen Tellerrand geschaut – Studierende der Fachschule begegnen Missio-Gast aus Pakistan

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Samreen Mona Breen, eine junge Frau aus Pakistan, hielt sich anlässlich der dies­jährigen missio-Aktion zum Sonntag der Weltmission in unserem Bistum auf. Sie wollte über die Situation von Christen in ihrem Land informieren. Zusammen mit Jaqueline Schlesinger vom Referat Weltkirche besuchte sie den Religionsunterricht der Fach­schulunterstufe. Die Studierenden waren fasziniert vom Mut der jungen Frau, die als Christin in Pakistan nicht nur diskriminiert wird, sondern auch um ihr Leben fürchten muss.

97 % der Be­völkerung sind Muslime. Eine große Gefahr für Andersgläubige, aber auch für viele muslimische Gruppierungen geht von den Blasphemie-Gesetzen aus: Hiernach muss mit einer Strafe rechnen, wer sich angeblich oder tatsächlich unfreundlich über den Propheten Mohammed äußert. Wenn das drei Zeugen behaupten, gilt die Aussage als wahr. Es ist nicht die Regierung, sondern es sind radikale muslimische Gruppierungen, die auf der Beibehaltung dieser Gesetze bestehen. Im März 2013 steckte eine auf­gebrachte Menschenmenge eine christliche Siedlung in Brand. Der Anlass: ein Streit zwischen zwei Freunden, der eine Christ, der andere Muslim. Plötzlich verbreitet sich das Gerücht, der Christ habe den Islam beleidigt – Blasphemie. Fast 200 Häuser werden niedergebrannt. Samreen Mona entschied sich spontan zu helfen, kündigte ihre Arbeit bei einer muslimischen Organisation und nahm eine Stelle bei der katholi­schen Kirche an, um die betroffenen Familien, insbesondere die Kinder und Jugend­lichen, zu betreuen.

Zurzeit studiert sie Soziale Arbeit in Linz in Österreich. Innerhalb von 9 Monaten hat sie fließend Deutsch gelernt. Auf die Frage, wie sie das Leben in Europa empfinde, berichtete sie vor allem von der Erfahrung der Freiheit: einem Leben ohne Angst vor Verdächtigungen oder davor, ein falsches Wort zu sagen. Während sie in Pakistan unter ständigen Kopfschmerzen litt, sei hier davon nichts zu spüren.

Trotzdem: Nach dem Studium möchte sie nach Pakistan zurückgehen. Sie träumt davon, in ihrer Heimat eine kostenlose Schule für Kinder aller Religionen aufzubauen. Hier liegt ein großes Problem: Es gibt keine Schulpflicht, und insbesondere Mädchen werden häufig nicht in die Schule geschickt. In einigen Teilen des Landes werden sie auch heute noch mit 13 oder 14 Jahren verheiratet. Bildung ist für Samreen Mona der Schlüssel, um Armut und Unterdrückung, gerade auch der Frauen, zu überwinden.

Die Studierenden waren beeindruckt von der Persönlichkeit der jungen Frau, von der Kraft, die ihr der Glaube gibt, sich für Bildung und Frieden zwi­schen den Religionen in Pakistan einzusetzen.

Claudia Kobold