Mädchen und Technik, angeblich ein Gegensatz:

Die Marienschule erreicht den dritten Platz beim hessenweiten MINT-Award (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), der unter der Schirmherrschaft des hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann steht und von der Firma Procter & Gamble unterstützt wird.
„Roberta sucht Freundinnen“ - das ist das Projekt der Marienschule, das am Donnerstag als erster Wettbewerbsbeitrag der Marienschule im Wiesbadener Landtag beim P&G Mint Award an den Start ging und prompt den 3. Platz erhielt.
„Roberta sucht Freundinnen, das ist nicht etwa ein Programm zur Partnervermittlung, sondern vielmehr ein Projekt, das jungen Schülerinnen der 6. Jahrgangsstufe das Thema Robotik näherbringen soll“, so beschreibt Maike Lauf (12) in der Präsentation das Projekt der Marienschule.

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Dank solchen Vorurteilen wie „Frauen und Technik“ haben viele Schülerinnen ein unterentwickeltes Selbstvertrauen in ihre technischen Fähigkeiten. Auch in den Studienfächern des MINT-Bereichs sind Frauen meist unterrepräsentiert. Da bietet es sich gerade an einer Mädchenschule an, diesem Vorurteil etwas in den Weg zu stellen. Aus diesem Grund haben sich in der älteren Schülerschaft sieben Schülerinnen gefunden, die auf Initiative von Dr. Breunig zu „Roberta“-Kursleiterinnen ausgebildet wurden und nun die Schnupperkurse zu leiten.
Diese Schnupperkurse finden an Samstagen statt und nehmen für die Kursleiterinnen eine Menge Vorbereitungszeit in Anspruch, weil mehr als 100 Schülerinnen der Jahrgangsstufe 6 daran teilnehmen. Hier bauen die Sechstklässlerinnen unter Anleitung der älteren Vorbilder Roboter aus einem kleinen Computer und Lego Bauteilen zusammen und programmieren sie, um die ihnen gestellte Aufgaben zu erfüllen. In höheren Jahrgangsstufen haben die Schülerinnen immer wieder die Möglichkeit, sich mit dem Thema Robotik auseinanderzusetzen. In der 7. Klasse wird eine Robotik-AG angeboten, in der die von den Schnupperkursen erworbenen Kenntnisse vertieft werden können. In den Klassen 8 und 9 finden im Rahmen des Wahlunterrichts zur Zeit zwei Kurse in Robotik statt. Diese Kurse werden vom organisatorischen Leiter unseres Projekts "Roberta sucht Freundinnen", Herrn Dominik Schamböck und vom IT Beauftragten der Marienschule, Dr. Frank Bäumlisberger, der die technischen Grundlagen für den Unterricht in Robotik an der Marienschule geschaffen hat, geleitet. In der Oberstufe wird ein Grundkurs Informatik angeboten, in dem die Robertas als technisches Hilfsmittel eingesetzt werden, um höhere Programmiersprachen zu erlernen. Auch hier sind die "Robertas" besonders motivierend, weil die Programme sofort ausgetestet werden können.

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Trotz technischer Schwierigkeiten - von den Veranstaltern war nur die vorläufige Version der Präsentation auf das Präsentationsnotebook aufgespielt worden - haben die beiden Kursassistentinnen Maike Lauf (Jgst. 12) und Lea Schönberger (Jgst. 13), die aus Naturwissenschaftlern bestehende Jury des MINT-Awards mit ihrem fundierten Fachwissen von diesem Konzept überzeugt. Offenbar kam es ihnen weniger auf eine perfekte Präsentation, sondern auf die Inhalte an. Neben den rein fachlich ausgerichteten Projekten wie Jets aus Sand, der Bau einer „Mondlandefähre“, die am Ende doch keine war und Projekten, in denen die Vielzahl an Fremdwörtern das allgemeine Verständnis auf ein Minimum reduzierte, konnte die Roberta-Präsentation vor allem durch ihren Zweck und die Nachhaltigkeit punkten. Neben der Präsentation floss auch die Aufmachung der Messestände, das Know-How der Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie die Innovation und die Nachhaltigkeit des Projektes in die Gesamtwertung ein.

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Von den insgesamt 21 teilnehmenden Schulen setzte sich die Marienschule gegen 18 andere Schulen aus ganz Hessen durch.
Den ersten Platz errang die Heinrich-Böll-Schule aus Offenbach, die im Rahmen der naturwissenschaftlichen Frühförderung mit Schülern des Klassen 5 und 6 Drachen bauten. Gegen die originelle Erklärung ihres Maskottchens (eine Schildkröte mit Rakete auf dem Rücken) eines Teilnehmers dieser Gruppe kam die Marienschule natürlich nicht an. Den zweiten Platz belegte die Main-Taunus-Schule aus Hofheim mit dem Projektansatz, begabte Schüler an anspruchsvolle chemische, biologische und physikalische Projekte heranzuführen.
Mit dem Satz: "Wir wissen zwar nicht, ob Roberta jemals Freundinnen finden wird“, leitete der Vorsitzende der Jury die Preisverleihung ein, aber die Qualität des Projektes habe den mit 1000 € dotierten 3. Platz verdient.

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Für uns Teilnehmerinnen und unsere beiden Lehrer Dr. Bäumlisberger und Herrn Schamböck war das eine große Freude, da wir auf Grund der Präsentationspanne gar nicht mehr mit einem Gewinn gerechnet hatten. Auch der als "Fan Club" angereiste Mathematik Leistungskurs mit ihrer Tutorin Frau Roth, die ja auch Fachbereichsleiterin für den MINT Bereich an der Marienschule ist, waren begeistert, als bei der Preisverleihung der Name „Roberta“ fiel. Besonders gefreut hat uns auch, dass uns die Schulleitung durch die Anwesenheit von Dr. Breunig am Nachmittag unterstützt hat. Wir sind sehr glücklich, dass das erste von der Marienschule teilnehmende Projekt gleich als Gewinner aus dem Wettbewerb hervorging. Im nächsten Jahr wird die Naturwissenschafts-AG „Wir wollens wissen“, die ja auch von Schülerinnen der Oberstufe geleitet wird, ebenfalls an diesem Wettbewerb teilnehmen und wir hoffen, dass sie mindestens eine ebenso gute Bewertung bekommen werden. Spielraum nach oben gibt es zum Glück noch!

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Text: Catarina Baggio, Fotos: Dr. Hans Paul Breunig