Schülerinnen als Kursassistentinnen ausgebildet

Als Mädchengymnasium will sich die Limburger Marienschule einer Herausforderung, die immer wieder von der pädagogischen und der Gender-Forschung beschrieben wird, stellen, und Mädchen für Technik und Naturwissenschaften begeistern: Den Forschern zufolge haben Mädchen oftmals unterentwickeltes Selbstvertrauen in ihre technischen Fähigkeiten und reagieren besonders empfindlich auf fehlende Anerkennung im naturwissenschaftlich – technischen Bereich, sie ziehen sich bei naturwissenschaftlich – technischen Problemstellungen eher zurück als Jungen.

Um den Schülerinnen technische Prozesse und somit angewandte Mathematik, Physik sowie Informatik näher zu bringen, bietet die Marienschule seit Anfang des Jahres Robotik-Kurse an.

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Da dies aufgrund der Lehrpläne der naturwissenschaftlichen Fächer nur in einem geringen Umfang möglich wäre, hat die Limburger Marienschule das System „Roberta – Lernen mit Robotern“ des Fraunhofer Institutes in St. Augustin eingeführt. In verschiedenen Jahrgangsstufen wird altersgemäß mit „Roberta“ – aus Lego-Technik-Teilen selbst zusammen gebauten Robotern – gearbeitet: So nehmen die Schülerinnen der Stufe 6 samstags an freiwilligen ganztägigen Schnupperkursen teil, in Stufe 8 und 9 gehört „Roberta“ zum Angebot des Wahlunterrichts. Darüber hinaus werden anwendungsbezogene Arbeitsgemeinschaften angeboten, schließlich wird im Informatik-Unterricht der Oberstufe auf die Roboter zurückgegriffen. Insgesamt haben sich in diesem Schuljahr rund 100 Schülerinnen allein für die Schnupperkurse in der Jahrgangsstufe 6 angemeldet. „Wir erfahren durch das Projekt momentan sehr starken Rückenwind im naturwissenschaftlichen Bereich“, so Schulleiter Dr. Joachim Ackva. Die Resonanz auf Seiten der Schülerinnen sei in den letzten Wochen sehr groß gewesen.

Mit dem Entwurf, dem Bau und der Programmierung von Robotern mit altersgerechten Programmiersprachen vermittelt die Marienschule ihren Schülerinnen viele Wissenselemente, die für ein Verständnis technologischer Probleme hilfreich sind und verschafft ihnen einen elementaren Zugang zu den ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen Maschinenbau, Elektrotechnik, Elektronik und Informatik. „Die Kombination aus Legosteinen und Computer stellt eine Motivation für andere Naturwissenschaften dar“, erklärte Dr. Hans-Paul Breunig. Die Mädchen machten die Erfahrung, dass Technik Freude bereiten kann. Sie arbeiteten motiviert problemorientiert und fächerübergreifend – bis hin zur Lektüre von englischsprachigen Betriebsanleitungen und Programmierbefehlen, so der stellvertretende Schulleiter. „Der Handlungsablauf bei der Lösung komplexer Fragestellungen erfordert die typischen Entwicklungszyklen: Idee – Umsetzung – Erprobung“, sagte Breunig.

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Mit Dr. Frank Bäumlisberger, Dr. Hans-Paul Breunig und Dominik Schamböck haben drei Lehrkräfte der Schule entsprechende Fortbildungen absolviert und leiten die Kurse. Unterstützt werden sie dabei von elf Schülerinnen der Mittel- und Oberstufe. Roberta ist dabei ein Instrument, um den Schülerinnen Freude an Technik und Informatik via Peer-Group-Education zu vermitteln: „Auch wir haben vor einem Jahr an einem Schnupperkurs für das Robertaprojekt teilgenommen und es hat uns solchen Spaß gemacht, dass wir unsere Begeisterung nun auch an andere Schülerinnen weitergeben wollen“, berichtete Oberstufenschülerin Maike Lauf, die sich mit acht weiteren Schülerinnen sowie zwei Praktikanten als Kursassistentinnen ausbilden hat lassen. „Immer noch fehlen Frauen als Vorbilder in Naturwissenschaften. Mit „Roberta“ möchten wir dem entgegenwirken. Unsere Kursassistentinnen sollen als Vorbilder für junge Interessentinnen fungieren“, erläuterte Dr. Hans-Paul Breunig. (Katharina Höhn, Lisa Laux / Fd)