Klonschaf Dolly, transgener Mais und Kinderwunschkliniken: Sie alle zeigen die Möglichkeiten auf, die die moderne Gentechnik bereits heute bietet, die aber auch ethische Fragen aufwerfen. In naher Zukunft werden unter anderem bei den Themen „Designerbabies“ und künstliche Intelligenz wichtige ethische Grundsatzentscheidungen erforderlich sein, weshalb differenzierte, auf fundiertem Grundwissen und –werten basierende Meinungen gefragt sind. Wie Fortschritt und Ethik zusammen passen, haben Schülerinnen der Limburger Marienschule mit Professor Volker Moosbrugger, dem Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, diskutiert.

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Was macht den Mensch zum Menschen? Wird der Mensch sich im Laufe der Evolution noch weiter verändern? Hat der Mensch das Potenzial, die Welt zu vernichten? Diesen und vielen weiteren Schülerfragen mussten sich hr-iNFO-Wissenschaftsredakteurin Regina Oehler und Professor Volker Moosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung, bei ihrem Besuch an der Marienschule stellen. Sie repräsentierten das Funkkolleg des Hessischen Rundfunks, das sich in seiner 24-teiligen Sendereihe zum Thema „Biologie und Ethik“ ausführlich mit den ethischen Herausforderungen unserer Zeit auseinandergesetzt hat - aufmerksam verfolgt von Martina Fredls Biologie-Leistungskurs-Schülerinnen. Nachdem es der Lehrerin gelungen war, das Team der hr-Wissenschaftsredaktion mitsamt Professor Moosbrugger an die Marienschule zu holen, begann dort die Diskussion der zentralen Frage, „was wir angesichts der neuen wissenschaftlichen Möglichkeiten, die sich uns bieten, um unsere Umwelt gezielt zu verändern, eigentlich noch dürfen oder gar müssen“, wie es eine Schülerin formulierte.

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In einer lebhaften Gesprächsrunde mit Fredls Biologie-Leistungskurs sowie einem ihrer Oberstufen-Grundkurse wurde das breite Interessenspektrum der Schülerinnen deutlich. Egal ob es um das „Wiederbeleben“ bereits ausgestorbener Arten wie den Mammuts, den gravierenden Rückgang der Biodiversität weltweit oder die natürlichen Grenzen, die dem Menschen in seinem Handeln gesetzt sind, ging: Die beiden Referenten wussten auf jede Frage eine differenzierte Antwort und vermittelten wichtige Denkanstöße. „Diese Veranstaltung hat die Schülerinnen dahingehend weitergebracht, dass sie nicht einfach nur die biologischen Fakten lernen, sondern auch, deren Risiken kritisch zu hinterfragen, sie auf andere Weisen zu beleuchten“, betonte Martina Fredl abschließend.

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Die Quintessenz der vermittelten Ratschläge könnte man gut in diesen beiden Sätzen zusammenfassen: Man muss die Konsequenzen eines Handelns, das in die Natur eingreift, immer sehr genau abwägen. Wichtig ist dabei aber auch eine zunächst neutrale Betrachtung wissenschaftlicher Innovationen: Weder bringen sie nur Negatives noch nur Positives mit sich. Abschließend richteten die Referenten noch einen aussagekräftigen Appell an die Schülerinnen: Nur wenn sich eine Gesellschaft aktiv für ihre Interessen einsetze, könne sie den Verlauf der Zukunft durch Einflussnahme auf die Politik mitbestimmen. Ob jetzt eventuell noch utopisch erscheinende gentechnische Entwicklungen tatsächlich zum Einsatz kämen, liege also allein in unserer Hand, so Professor Moosbrugger.

(Bericht: Anna Manz, Fotos: MM)