Was macht einen echten Superhelden aus? Ist es sein Röntgenblick, seine unglaubliche Stärke oder doch etwa die Fähigkeit zu fliegen? An der Marienschule existiert seit ein paar Jahren eine mutige dreizehnköpfige Truppe, die jeden fliegenden Superman mit rotem Cape in den Schatten stellt: Die Digitalen Helden. Mit Zivilcourage, Engagement und viel Herz schützen sie ihre Mitschülerinnen- und schüler aber nicht etwa vor gefährlichen Monstern und fiesen Bösewichten, sondern vor den Tücken des Internets wie beispielsweise Cyber-Mobbing.

Bereits seit dem Schuljahr 2013/2014 setzen sich die Digitalen Helden leidenschaftlich für diejenigen unter ihren Mitschülern ein, die sich mit Online-Mobbing oder Hacking konfrontiert sehen. Ihre Tätigkeit setzt aber nicht erst dann an, wenn es bereits zu spät ist. Die Hauptaufgabe besteht vielmehr in der Prävention. So informieren die Digitalen Helden ihre Mitschüler unter anderem darüber, was man beim Ausdenken eines sicheren Passwortes alles beachten oder welche Ratschläge man sonst noch im Umgang mit den neuen Medien beherzigen sollte. Die Gruppierung ging ursprünglich aus einer Initiative des Lions Club hervor, der etwas zur nachhaltigen Medienbildung der Jugendlichen beitragen wollte und so das Mentorenprogramm im Kreis Limburg-Weilburg ins Leben rief. Betreut wird das Projekt an der Marienschule aktuell von Thomas Klein und Schulsozialarbeiterin Franziska Baumann. Am Anfang habe noch niemand gewusst, wohin die Reise gehen würde, so Klein. Mit der Richtung, die das Programm aktuell einschlägt, sei er aber sehr zufrieden. Da die Lions das Projekt mittlerweile in viel geringerem Umfang als noch zu Beginn unterstützen, werden die fortbildenden Workshops nun von den teilnehmenden Schulen im Umkreis selbst organisiert, was aber keinen Nachteil bedeute. Im Rahmen dieser Weiterbildungen erfahren die Schülerinnen und Schüler neben der Verfeinerung ihrer technischer Fertigkeiten auch, wie man soziale Konflikte erkennt und entschärft. „Das Wichtigste ist aber, dass die Helden lernen, einzuschreiten, wenn sie merken, dass zum Beispiel ein Chat droht, zu einer Mobbinggruppe zu werden“, berichtet Thomas Klein über die Inhalte der Workshops.

Aber welche Eigenschaften muss man mitbringen, um selbst ein Digitaler Held zu werden? „Wichtigste Voraussetzung ist, dass man sich für seine (meistens jüngeren) Mitschüler einsetzen möchte und ihnen in Bezug auf all die Fallstricke, die es in der digitalen Welt gibt, helfen will“, skizziert Thomas Klein das Anforderungsprofil an einen Digitalen Helden in spe. Auch ausgeprägte soziale Kompetenzen seien gefragt - egal, ob man mit einer 5. Klasse über das Verhalten im Internet spreche oder ein Streitgespräch moderiere. Mitglied werden darf man ab Jahrgangsstufe 8. Die sozialen und fachlichen Kompetenzen, die man im Laufe des Programmes erlernt, seien so essenziell, dass laut Klein am liebsten alle Schülerinnen und Schüler die dazugehörige Ausbildung absolvieren sollten, was aber leider organisatorisch und finanziell nicht möglich sei. „Es ist also umso wichtiger, dass wir Digitale Helden haben, die Online-Stress erkennen und auflösen können, bevor er zu stark eskaliert. Im besten Fall können so die Schüler die Probleme unter sich lösen, ohne dass Lehrer, Eltern und Schulleitung aktiv werden müssen.“ Auch Leontine Kougam, ehemaliges langjähriges Mitglied, findet nur lobende Worte für das Programm: „Die Zeit als Digitaler Held hat mir die Gefahren des Internets gezeigt und mir die Möglichkeit gegeben, andere darüber aufzuklären. Die Zeit als Digitaler Held war eine Bereicherung fürs Leben, die ich jedem weiterempfehlen würde.“

„Digitale Helden hin oder her: Wir benötigen Jugendliche mit Zivilcourage, die einschreiten, wenn sie merken, dass ein Mitschüler per WhatsApp gemobbt wird. Seid mutig, ihr alle könnt Digitale Helden sein!“, richtet Thomas Klein als Schlussplädoyer an alle Interessierten.

(Bericht: Anna Manz)