Die Geschichtslehrer des diesjährigen Abiturjahrgangs haben es mal wieder geschafft. Bei der Exkursion der Zwölftklässlerinnen nach Bonn wurde Geschichte lebendig, nicht unbedingt zum Anfassen, aber zumindest zum Durchschreiten. Der Jahrgang besuchte dort das „Haus der Geschichte“ und die Gurlitt-Ausstellung des Kunstmuseums.

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Wirft man einen Blick in die Zeitungen, ist das Urteil über den verstorbenen Kunstbesitzer Cornelius Gurlitt meist eindeutig. Die Kunst, die im Mittelpunkt des andauernden Skandals steht, gerät in den Hintergrund. Nicht so  im Bonner Kunstmuseum, wo die Schülerinnen der Stufe zwölf einen einzigartigen Einblick nicht nur in den Bestand der Werke, sondern auch in ihre Geschichte, die Familiengeschichte Gurlitts selbst und die Leistung der Kunsthistoriker, die nach wie vor versuchen, etwa 300 Werke ihren ursprünglichen Besitzern oder deren Erben zuzuordnen. Die Schülerinnen erkundeten dabei das Leben Hildebrand Gurlitts, des Kunsthändlers, der einen Großteil seiner Sammlung an seinen Sohn Cornelius weitergab und erhielten einen Einblick in das Leben von Künstlern und Kunstexperten sowie die Bedeutung von Kunst im Dritten Reich. Ziel der Ausstellung war es nicht nur, die Werke zu zeigen, sondern auch, „sich im Zeitalter von Fake News eine eigene Meinung zu bilden“, wie es die Museumsführer den Schülerinnen erklärten.

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Im „Haus der Geschichte“ erwachte selbige zwischen Mauern aus Trümmersteinen und der Kartei des DRK Suchtrupps zum Leben. Nicht nur das Zuhören war gefragt, sondern auch das aktive Mitentscheiden und Hineinversetzen in die Lebenswirklichkeit der Menschen in verschiedenen Abschnitten jüngerer deutscher Geschichte. Vom Kriegsende bis zur Wiedervereinigung fanden sich die baldigen Abiturientinnen in der Haut mal einer DDR-Bürgerin, mal einer Westberlinerin, mal einer BRD-Bürgerin zur Zeit der Teilung wieder. Mit der Frage „Wie hättet ihr gewählt?“ sahen sie sich mit einem Wahlzettel aus der DDR konfrontiert, auf dem statt Politikern lediglich die Wahl zwischen „Ja“ und „Nein“ bestand.

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Die vielen neuen Erkenntnisse werden die Schülerinnen so schnell nicht vergessen, noch weniger das Erlebte. Wo Geschichte lebendig wird, bleibt sie in den Köpfen und regt zum Nachdenken an – im Unterricht, aber auch außerhalb.

(Bericht: Paula-Marie Schillo, Fotos: Anna Manz | GB)