Gemeinsam mit Journalist Peter Bandermann gingen 20 Schülerinnen der Klassen 9b und 9e in einem Workshop der Pressefreiheit auf den Grund – und den Gefahren, die ihr weltweit, aber auch in Deutschland drohen.

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„Sprache ist Denken.“ Mit diesem Satz beeindruckt der erfahrene Journalist und Preisträger der „Goldenen Victoria für Pressefreiheit“ Peter Bandermann die Neuntklässlerinnen schwer. Er spricht aus Erfahrung, wenn er von Anfeindungen und Repressalien gegen Journalisten auf der ganzen Welt erzählt. Denn Bandermann nimmt kein Blatt vor den Mund, schon gar nicht, wenn es um rechte Gewalt geht. Er sehe es als seine „Journalistenpflicht“, erzählt er den interessierten Schülerinnen, bei der Wahrheit zu bleiben und über sie zu berichten, auch und gerade wenn bestimmte Personen versuchten, dies zu verhindern. So beispielsweise 2014 in Heidenau, als ein rechter Mob einen zu einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Baumarkt angriff.

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Doch nur berichten reiche nicht, betonte Bandermann. Es gehe auch darum, Verbindungen herzustellen und Aufklärung zu betreiben. So ließ ihn die rechte Gewalt nicht mehr los und je mehr er über Gewalt und Unterdrückung durch Neonazis berichtete, desto klarer wurden für ihn die Parallelen: „Das war schon einmal dagewesen“. In der Weimarer Republik nämlich, als rechte Gruppen sich formierten und durch Gewalt und Einschüchterung „Druck aufbauten“. Nationalsozialisten wie Neonazis gingen immer nach demselben Muster vor, dem bald auch er zum Opfer fiel.

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Gerade das ist eine weitere wichtige Lektion Bandermanns: als Journalist steht er ständig in der Öffentlichkeit, ist mit seinem Namen auch für anonyme Gegner angreifbar. Rechte Aktivisten nahmen ihn in den Fokus, veröffentlichten seine Adresse und KFZ-Kennzeichen im Internet mit der Aufforderung, ihm einen Besuch abzustatten. Eine gefälschte Todesanzeige erschien im Internet und verbreitete sich rasend schnell über sämtliche Nachrichtenkanäle, von Printmedien bis zu den Fernsehnachrichten. Doch damit nicht genug, Rechte bedrohten auch seine Familie, setzten sich schweigend hinter seine Tochter, wenn diese morgens mit dem Bus zur Schule fuhr.
Die Reaktion seiner Tochter habe ihn sehr berührt, erzählt Bandermann, sie habe sich genauso wenig einschüchtern lassen wie ihr Vater. Stattdessen die trotzige Aufforderung an ihn, nicht aufzugeben, wie sie ihn so oft von überall in Deutschland nach dem rechten Aufmarsch in Heidenau erreicht hatte. Die Menschen brauchen Journalisten, so die Lektion, und Journalisten brauchen Pressefreiheit.

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Die Erfahrungen und Eindrücke aus dem Workshop werden lange nachwirken, da ist Birgid Sagmeister sich sicher. Die Religionslehrerin hatte im Vorfeld mit vier Kursen an einer Schülerumfrage der Stiftung Lesen und des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger zum Thema Mediennutzung teilgenommen, unter deren Teilnehmern die Initiatoren journalistische Workshops verlosten. Die Schülerinnen können ihrer Lehrerin in diesem Punkt nur zustimmen. „Mir hat gefallen, dass wir selbst Fragen stellen durften, auf die er dann sehr genau eingegangen ist“, schwärmt Charlotte Kreuzsaler aus der Klasse 9e. Für die vielen Fragen der Neuntklässler stellte der Journalist kurzerhand sein vorbereitetes Programm um.
„Nur schade, dass wir so wenig Zeit hatten“, klagt die Vierzehnjährige. Drei Stunden reichten kaum aus, um die gesamte Welt des Journalismus zu ergründen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb ist sie froh, dass es Initiativen gibt, die Schülern wie ihr und ihren Klassenkameradinnen die Pressefreiheit näher bringt. Dieser Meinung ist auch Peter Bandermann, „Schüler selbst wenden Pressefreiheit an, wenn sie soziale Netzwerke benutzen, oft ist es ihnen gar nicht bewusst, dass das ein Freiheitsrecht ist“. Die Fragen und das Interesse der Schülerinnen beeindruckten ihn.

(Bericht: Paula-Marie Schillo, Fotos: MM | GB)