„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Mt 5,7). Barmherzigkeit – was ist das eigentlich in unserer heutigen Zeit? Als Preisträgerin der Jungen Akademie Barmherzigkeit vertrat Paula-Marie Schillo (Q2) die Marienschule bei einer Podiumsdiskussion im Bischofshaus zu eben jenem Thema.

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Zu Beginn durfte die Oberstufenschülerin von dem Projekt berichten, für das die Marienschule erst kürzlich den ersten Platz beim „Barmherzigkeitswettbewerb“ der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz belegte. Im Rahmen der Flüchtlingskrise hatten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung nämlich ein Projekt der besonderen Art, den sogenannten „Lebendigen Adventskalender“, ins Leben gerufen. Fast täglich nahmen sich Schüler und Lehrer der Marienschule im Dezember Zeit, um mit den Menschen der „Oase“ im Staffeler Flüchtlingscamp zu basteln, Musik zu machen oder zu spielen. Paula-Marie Schillo als Teilnehmerin dieses Projektes hatte zusammen mit vier weiteren Oberstufenschülerinnen die einzigartige Gelegenheit erhalten, an den Seminaren der „Jungen Akademie Barmherzigkeit“ teilzunehmen und sich dort sowohl politisch als auch philosophisch weiterzubilden (siehe den damaligen Bericht).

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Bei der Podiumsdiskussion im Konradiner-Keller des Limburger Bischofshauses stellte sie ihre darin erweiterten Kompetenzen eindrucksvoll unter Beweis und stellte begeistert das Konzept des „Lebendigen Adventskalenders“ vor: „Unser Ziel war es, damit für Abwechslung und ein bisschen Farbe im Leben der Menschen zu sorgen – und ich glaube, das ist uns auch gelungen.“ Zusammen mit Paula-Marie war auch Lena Beut, eine weitere Preisträgerin der Jungen Akademie, angereist und regte das Publikum mit ihren tiefgründigen Texten im Bereich des „Poetry-Slams“ zum Nachdenken an.

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Den zentralen Gegenstand der Podiumsdiskussion bildete allerdings die Anthologie „Jenseits der Ironie. Dialoge der Barmherzigkeit“, die von den Herausgebern Martin W. Ramb und Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski persönlich vorgestellt wurde. In ihrem Sammelband verewigten sie über 40 Stimmen namhafter Autorinnen und Autoren aus den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens wie beispielsweise der Politik, Philosophie, Musik, Wissenschaft oder Kunst und griffen deren unterschiedliche Haltungen zum Thema der Barmherzigkeit auf. Martin W. Ramb leitet die Abteilung Religionspädagogik, Medien und Kultur im Bistum Limburg. Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski ist Rektor der Philosophisch-theologischen Hochschule Vallendar und Professor für Geschichte der Philosophie und philosophische Ethik. In dem anschließenden Gespräch spürten sie zusammen mit Paula-Marie Schillo und Lena Beut sowie Dr. Peter Jentzmik, dem Leiter der Gesprächsreihe „Zeitzeichen“, und dem Publizisten Thomas Menges der Frage nach, was Barmherzigkeit in der heutigen Zeit bedeuten kann. Das Resultat war eine interessante Sammlung an unterschiedlichsten Definitionen des Barmherzigkeitbegriffes.

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Für Lena Beut beispielsweise ist „Barmherzigkeit ein Grundton, der in jedem von uns schlummert.“ Laut Martin W. Ramb kann man Barmherzigkeit als eine „Tugend auffassen, vor der man sich nicht drücken kann.“ Prof. Dr. Dr. Holger Zabrowski näherte sich der Fragestellung auf anderem Wege: „Es ist eigentlich etwas zutiefst Menschliches, das direkt mit Barmherzigkeit verbunden ist.“ An der Seite dieser anerkannten Spezialisten auf dem philosophischen Gebiet diskutierte Paula-Marie Schillo selbstbewusst sowie souverän und bezog Stellung zu ihrer Ansicht der Thematik: „Barmherzigkeit heißt auch, den Mut zu haben, den eigenen Pfad einmal zu verlassen und neue Wege zu gehen.“

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Abschließend bot sich auch dem Publikum die Gelegenheit, in die Diskussion einzusteigen, wodurch diese noch um einiges bereichert wurde. Das Resultat der Podiumsdiskussion kann man in den folgenden Haupterkenntnissen des Abends zusammenfassen: Barmherzigkeit steht erstens in einem komplexen Verhältnis zur Gerechtigkeit. Zweitens ist Barmherzigkeit nicht gleichbedeutend mit Mitleid. Drittens: Wenn es um Barmherzigkeit geht, dann müssen Herz und Verstand zusammenkommen.

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(Bericht: Anna Manz, Fotos: Timo Michael Keßler / GB)