Ansprache der Vorsitzenden des Vereins der Ehemaligen, Förderer und Freunde der Marienschule Limburg – Sr. Christiane Humpert am 27.Juli 2015

Liebe Abiturientinnen,

es ist mir eine große Freude, Ihnen in diesem Jahr im Namen des Vereins der Ehemaligen und Förderer der Marienschule zu Ihrem erfolgreich bestandenen Abitur gratulieren zu dürfen.
Das Jahr 2015 spielt in der langen Reihe der Jahre des Bestehens der Marienschule eine nicht unwesentliche Rolle:
Am 21. April 2015 bestand die Schule 120 Jahre. An diesem Tag begann 1895 in einem kleinen Haus an der Graupfortstraße der Unterricht in drei Klassen mit 77 Schülerinnen unter der Leitung der beiden Dernbacher Schwestern Leonissa und Constantine.
Dies war nicht die erste Mädchenschule in Limburg. Aber die früheren Versuche hatten sich aufgrund der Zeitverhältnisse nicht oder nur schwer halten können. So wandte sich der damalige Limburger Stadtpfarrer und gleichzeitige königliche Kreisschulinspektor an die Generaloberin und Gründerin der Dernbacher Schwestern, Katharina Kasper, mit der Bitte, die Armen Dienstmägde Jesu Christi möchten doch die Schule übernehmen. Dies geschah und so prägten die Dernbacher Schwestern über lange Jahre das Gesicht der Schule. Als letzte verließ Schwester Hermania im Frühjahr dieses Jahres die Marienschule.

Der Verein der Ehemaligen hat es sich, seit seiner Gründung 1984, zur Aufgabe gemacht, den Schülerinnen, die in den verschiedenen Abteilungen der Marienschule ihre Schulzeit erfolgreich abschließen, zu gratulieren und ihnen einen guten Start in einen neuen Lebens-abschnitt zu wünschen.
Da dieses Jahr in der Geschichte der Marienschule einen Einschnitt bedeutet, hat der Vorstand des Vereins beschlossen, die Ehrung der Jahrgangsbesten neu zu gestalten, und zwar mit der Verleihung des „Katharina Kasper Preises“ an die Jahrgangsbeste, an diejenige, die die höchste Punktzahl erreicht hat.

Wir haben dem Preis den Namen der Frau gegeben, die mit ihrem Ja-Wort und ihrer Bereitschaft, Schwestern für die Aufgabe der Erziehung und Weiterbildung von Mädchen und jungen Frauen nach Limburg zu schicken, einen wichtigen Beitrag zur Emanzipation der Frauen in unserem Raum – aber auch weit darüber hinaus - geleistet hat.
Entscheidend ist aber wohl die Haltung, die sie bewegt hat und die in dem Satz zum Ausdruck kommt, den wir auf die Urkunde gesetzt haben:

„Nur Mut und in aller Demut mit großem Gottvertrauen ruhig der Zukunft entgegengehen.“ (Kath. Kasper 1872)

Wenn wir Katharinas Leben anschauen, wirft dieser Satz, den sie einer Gruppe Schwestern zum neuen Jahr 1873 schreibt, ein deutliches Licht auf ihre Lebenseinstellung:

Katharina lebt aus einem unerschütterlichen Vertrauen in Gottes wohlwollende Zuwendung zum Menschen und zugleich aus ihrer Bereitschaft, nicht nach ihrem Vorteil zu handeln, sondern nach Gottes Willen für sich selbst, für ihre Mitschwestern und für die Menschen, die ihr begegnen, zu fragen und Dienerin aller zu sein, vor allem derer, die der Hilfe bedürfen.

Wir hoffen, dass Katharinas Geist, der die Menschen verbindet, in der Schule lebendig bleiben wird und Sie, liebe Abiturientinnen, die sie heute die Schule verlassen, in Ihrem Leben begleitet. Wir wünschen Ihnen aber auch den Mut Katharinas, unbekannte Wege zu gehen, und sich mit Beharrlichkeit und Ausdauer für eine Sache einzusetzen, von deren Wichtigkeit Sie überzeugt sind, auch gegen Widerstand und Rückschläge.

Das Geld-Geschenk, das mit dem „Katharina Kasper Preis“ verbunden ist, soll eine praktische Unterstützung der ersten Schritte in die Zukunft sein.
Mögen Sie, liebe Kira, und Sie alle, die sich heute ihres erfolgreichen Abiturs freuen, mit „ ... Mut und in aller Demut mit großem Gottvertrauen ruhig der Zukunft entgegengehen.“