Vier Wahlkreiskandidaten, drei Themen, zwei Moderatoren: Auf Einladung des Politik- und Wirtschafts-Leistungskurses der Stufe Q1 von Benjamin Nahm haben die Oberstufenschülerinnen und Schüler der Limburger Marienschule den Vertretern der etablierten Parteien auf den Zahn gefühlt. Annika Eufinger und Niklas Böhme forderten Klaus-Peter Willsch (CDU), Martin Rabanus (SPD), Alexander Müller (FDP) sowie Timo Müller (Bündnis 90/ Die Grünen) mit kritischen Fragen heraus, Schwerpunkte waren die Themenkomplexe Deutschland im Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit, Umwelt und Soziales sowie die deutsche Außenpolitik.

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Nach einer kurzen Begrüßung der Politiker durch Schulleiterin Dr. Henrike Zilling stellten die Moderatoren die vier Kandidaten mittels eines Steckbriefes vor. Während es für Klaus-Peter Willsch und Martin Rabanus um einen Wiedereinzug in den deutschen Bundestag geht, wäre es sowohl für den Kandidaten der FDP, Alexander Müller, als auch für den 1991 geborenen Grünen-Politiker Timo Müller die erste Mandatsübernahme. Um thematisch bereits einen Ausblick auf die Diskussion zu geben, präsentierte das Organisationsteam einen kleinen, selbstgedrehten Film, in dem Passanten in der Limburger Fußgängerzone bezüglich ihrer Anforderungen an die Politik in Bereichen der Außenpolitik, Sicherheitsproblemen oder auch sozialer Gerechtigkeit befragt wurden.

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Mittels einer Studie, wonach 71 % aller befragten Menschen in Deutschland aktuell als größte Angst den Terror nennen, leiteten die beiden Diskussionsleiter den ersten Themenblock ein. Auf die Frage, inwiefern die Vorratsdatenspeicherung ein wirksames Mittel im Kampf gegen Terrorismus sei, hob Klaus-Peter Willsch hervor, es gehe vor allem darum, Rückschlüsse auf die Vorgehensweise der Terroristen zu ziehen und auf diese Weise die Gefahr einzudämmen. Man befinde sich jedoch in „einem ständigen Wettlauf“ mit den Terroristen um die digitalen Fortschritte, was die Aufspürung der Schuldigen zusätzlich erschwere. Martin Rabanus teilte diese Meinung bezüglich der Umfeldanalyse, lehnte jedoch eine Verhaltensmusteranalyse mittels Gesichtserkennung und totaler Überwachung entschieden ab. Die üblichen Instrumentarien des Rechtsstaats müssten eingesetzt werden und man dürfe keinen Menschen der bloßen Willkür aussetzen. Der junge Grünen-Politiker Timo Müller widersprach seinen Vorrednern bezüglich der Legitimation und Effizienz der Vorratsdatenspeicherung. Terroristen hätten ihre Wege über das Dark-Net oder andere gut gesicherte Messengerprogrammer unentdeckt zu bleiben. Das, was hinterher noch zur Verbrechensaufklärung genutzt werden könne, stehe in keinem Verhältnis zur persönlichen Freiheit eines Menschen.

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Bezüglich einer verstärkten Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, wie exemplarisch dem Limburger Bahnhof, vertrat FDP-Politiker Alexander Müller die Auffassung, dass an derartigen Gefahrenpunkten eine Videoüberwachung sinnvoll sei, da sie für die Verbrechensaufklärung im Nachhinein entscheidende Beiträge leisteten. Dass erst ein späterer Mehrwert für die Polizei zu entnehmen sei, läge auch an der starken Unterbesetzung der Polizisten, weshalb auch kein direkter Eingriff in Gewaltverbrechen möglich sei, wie Rabanus hinzufügte. Ihm zufolge müsse Prävention verstärkt im Bildungsbereich Anwendung finden, weshalb er sich für eine finanzielle Unterstützung schwacher Kommunen für dieses Anliegen aussprach.

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Den Mangel an Polizeibeamten führte CDU-Abgeordneter Willsch auch auf die Flüchtlingskrise 2015/16 zurück. Er sprach sich für eine genaue Begutachtung der immigrierenden Flüchtlinge aus, um Sicherheitslücken aufzudecken und Widersprüche in Personalangaben direkt zu erkennen und somit gegebenenfalls gefährdende Personen nicht ins Land zu lassen. Dafür sei eine Überprüfung des Handys, Wilschs Worten nach, legitim, sofern der betreffende keinen Pass vorweisen könne. Timo Müller sah darin offensichtlich die Privatsphäre des Menschen zutiefst missachtet, weshalb er die Äußerung seines CDU-Kontrahenten kritisierte. Alexander Müller teilte die Meinung des CDU-Politikers, allerdings müssten seines Erachtens nach zuvor Widersprüche in den Personalangaben aufgefallen sein.

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Die Flüchtlingspolitik an sich erwies sich im Laufe der Veranstaltung als sehr umstrittene Thematik. Die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte Parteimitglied Willsch, indem er sich schärfere Einwanderungsbedingungen aussprach. Ein sozialer Staat, der die Sicherheit seiner Bürger garantieren wolle, brauche auch Grenzen. Andernfalls könne dieser nicht funktionieren. Willsch schien vor allem auf die unterschiedlichen Motive der Flüchtlinge eingehen zu wollen. Es sei wichtig, Menschen zu helfen und vor Krieg zu beschützen, doch dürfe man nicht den Eindruck erwecken, durch ein Passieren der deutschen Grenze trete man in das Land des Glücks ein. Nicht jeder, der aus wirtschaftlichen Gründen immigriere, könne erwarten, bleiben zu dürfen. Er sprach sich für eine Obergrenze der Zuwanderung aus. Dem widersprachen SPD- und Grünen Politiker. Rabanus räumte ein, dass Frau Merkel in dieser Frage die richtige Entscheidung getroffen habe, was jedoch nicht bei all ihren Entscheidungen der Fall gewesen sei. Timo Müller bezeichnete eine Obergrenze für Flüchtlinge als „unmenschlich“ und betonte die Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes. Willsch argumentierte dagegen, indem er auf die Schwierigkeit der Umsetzung eines solchen Gesetzes hinwies. Die Einwanderungspolitik betreffe die Bundesrepublik seit über 40 Jahren und man können diesbezüglich keine situativen, kurzfristigen Lösungen anstreben.

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Auf die Einstiegsfrage im Bereich von Umwelt und Sozialpolitik, wie Familien heutzutage unterstützt werden sollten, sprachen sich sowohl FDP-Politiker Müller als auch CDU-Politiker Willsch für eine Erhöhung des Grundfreibetrags für Kinder aus. Zudem sei es nach Wilsch ebenfalls an der Zeit, das Baukindergeld zu erhöhen, damit mehr Familien in ein Eigenheim ziehen könnten. SPD- und Grünen-Politiker Rabanus und Müller hielten neben den finanziellen Aspekten vor allem die die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für entscheidend. So müsse, laut Timo Müller, ein Wiedereinstieg von einer Vollzeitstelle in einer Vollzeitstelle nach der Elternzeit möglich sein.

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Auch die Bildungspolitik kam zur Sprache. Im Zeitalter der Digitalisierung sei es Alexander Müller zufolge ein Muss, die digitalen Medien, wie beispielsweise das Mobiltelefon, aktiv in den Unterricht einzubinden. Dies wurde von der Schülerschaft mit einem zustimmenden Applaus befürwortet. Er halte auch den Einsatz von Tablets anstelle von Schulbüchern für sinnvoll, da so auch der individuelle Lernstand des Schülers, mittels spezieller Programme, präziser erfasst und gefördert werden könne. Martin Rabanus hielt dem entgegen, dass die medienkompetente Schulung zwar wichtig, jedoch kein „Allheilmittel“ sei. Er halte es für sinnvoller in intakter Schulgebäude sowie eine gute Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte zu investieren.

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Anknüpfend an die Bildungspolitik leiteten Annika Eufinger und Niklas Böhme die Diskussion zur Sozialpolitik über. Annika verwies hier auf ihre Erfahrungen während ihres Sozialpraktikums, wo sie die enorme Unterbesetzung der Fachkräfte im Pflegebereich selbst erfahren habe. Hier seien, laut SPD-Politiker Rabanus, Reformen nötig. So müssten die sozialen Berufsfelder allgemein besser bezahlt werden. Dies schließe auch den Erzieherbereich mit ein. Zudem müsse eine humane Verhältnismäßigkeit zwischen Pflegekraft und der ihr zugeteilten Pflegebedürftigen erstellt werden. Nicht zuletzt müsse mehr Geld in diese Ausbildungsberufe investiert werden. Für eine höhere Steuerbelastung der Reichen könne sich CDU-Politiker Willsch nicht einsetzen. Die Umverteilung funktioniere recht gut und die „Schere zwischen arm und reich“ sei in den letzten Jahren, laut bestimmten Messgrößen, konstant geblieben und nicht gestiegen.

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Den Bereich der Umweltbelastung durch schädliche Dieselmotoren thematisierte die Gesprächsleitung ebenfalls an diesem Vormittag. Hierbei ging man auch auf die hohe Schadstoffbelastung in der Limburger Innenstadt ein. Alexander Müller begrüßte die Entscheidung, dass Dieselfahrzeuge nicht abgeschafft würden, da diese prinzipiell sauber sein. Einen Verweis auf die Volkswagen-Affäre umging er mit seiner Erwartungshaltung an den Konzern selbst. Dieser sei in der Pflicht, von nun an mit sauberen Motoren zu arbeiten. Timo Müller zeigte sich, wie sein Parteikollege und Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, enttäuscht über die Ergebnisse des Diesel-Gipfels. Dennoch sehe auch er ein Fahrverbot für Dieselmotoren als allerletzte Möglichkeit an.

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Die Gesprächsdebatten des letzten Themenblocks bezogen sich inhaltlich auf die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Hierbei spielten maßgeblich die Spannungen mit der Türkei und Präsident Erdogan eine wichtige Rolle. Dessen Versuch der Einflussnahme auf die Bundestagswahlen am kommenden Sonntag beurteilten alle vier Gäste als abtrünnig, ungehörig und unangebracht. Sie waren sich auch darüber einig, dass dieser Manipulationsmethode des türkischen Präsidenten nur durch Überzeugungsarbeit der Menschen im eigenen Land zu entkräften sei. Auch bezüglich der Reisewarnung, welche an die türkische Bevölkerung für Deutschland abgegeben worden ist, waren sich die vier Herren über die Absurdität dieser einig. Willsch sprach sich darüber hinaus auch für ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aus. Timo Müller würde diese eher „auf Eis legen“. Die Politik in der Türkei sei vor der Machtübernahme Erdogans auf einem guten Weg gewesen, weshalb ein erneuter Kurswechsel mit einem neuen Regierungsoberhaupt in der Türkei nicht unmöglich sei. Mit Erdogan an der Spitze sehe er jedoch auch keine Erfolgsaussichten für die Türkei EU-Mitglied zu werden. Was die allgemeine und zukünftige Situation in Europa betrifft, so plädierten die Stellvertreter von SPD und Grünen für mehr Einigkeit und mehr soziale Zusammenarbeit in Europa. CDU und FDP gaben zu bedenken, dass bestimmte Rahmenbedingungen erst erfüllt und eingehalten werden müssten, bevor ein Land in die Europäische Union aufgenommen werden könne.

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Neben der intrakontinentalen Situation bezog sich die Debatte auch auf die Situation mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Diesbezüglich wurden Aspekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beleuchtet. Auch wenn Präsident Trump kein Diplomat sei, wie FDP-Politiker Müller bemerkte, so dürfe man die Handelsbeziehung zu diesem wichtigen Handelspartner nicht abbrechen. Der freie Handel erweise sich Klaus-Peter Willsch zufolge nunmehr als „Bewährungsprobe“ für beide Handelsparteien. Was Donald Trumps Kriegsdrohungen an Nordkorea betrifft, so kamen die Politiker bezüglich der Bedrohlichkeit dieser Situation auf keinen Konsens. Während Alexander Müller nicht an eine Eskalation der Lage glaube, zeigte sich Martin Rabanus durchaus besorgt. Er verwies auf die Notwendigkeit Deutschlands, als Friedensmacht zu agieren.

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Einstimmig machten die vier Kandidaten sich abschließend dafür stark, wählen zu gehen – eine ganze Menge Argumente für oder auch gegen den einen oder anderen Abgeordneten haben die Marienschülerinnen und -schüler in den 90 spannenden Minuten sicherlich sammeln können.

(Bericht: Nadine Seif, Fotos: Paula-Marie Schillo | GB)

"Ich bin zur Ruhe gekommen." "Ich habe über Aussagen zu Gott neu nachgedacht." "Der Sorgenbriefkasten hat mir gut getan." "Am Besten fand ich, in den Spiegel zu sagen: Für Gott bist Du schön."

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Das sind die ersten Rückmeldungen von Schülerinnen zur Ausstellung. Sie thematisiert unsere Vorstellungen von Gott und verbindet diese mit Stationen in der Kapelle. 

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Zu jedem "Punkt" gibt es Informationen, Fragen zum Weiterdenken und eine Aktion, die die Punkte erfahren lässt. Da finden sich z.B. unter dem "Punkt" Nächstenliebe kleine Zettel, auf denen notiert wird, wem und was Du heute einem Menschen Gutes tun kannst. Oder Du kannst Dich unter einen Schirm mit Segenssprüchen stellen. 

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Alle Religionsgruppen sind eingeladen, die Ausstellung zu besuchen. Sie wird geöffnet sein bis Freitag, den 29.09.2017.

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(Text und Fotos: DZ | GB)

„Ich bin auch nur ein Mensch“, mit diesen berühmten Worten wendet sich Seine Heiligkeit der Dalai Lama noch einmal an die 1600 Schüler und Lehrer, die nur für ihn in die Frankfurter Jahrhunderthalle gekommen sind. „Aber wenn Euch gefällt, was ihr gehört habt, dann tragt es weiter. Dann können wir gemeinsam etwas erreichen.“

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Es ist diese Einstellung, die den Dalai Lama zu einer internationalen Respektsperson macht, zu einem Idol für unterschiedliche Menschen aller Religionen. Das Oberhaupt der Buddhisten will keinen Personenkult, sondern die Menschen überzeugen, die gewillt sind, ihm zuzuhören. Das gilt nicht nur für Buddhisten, sondern für die gesamte Weltgemeinschaft, „7 Milliarden Schwestern und Brüder“, wie sie der Dalai Lama begrüßt.

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Aber was macht ihn so besonders? Was hat dieser stets lächelnde 82jährige an sich, das ihn die Menschen auf der ganzen Welt begeistern lässt? Ich, Paula-Marie Schillo, 17, habe es hautnah erfahren dürfen.
Beim Betreten der Bühne, schüttelt er jedem von uns Schülern die Hand, bevor er sich in der Mitte zwischen uns in einem Sessel niederlässt. Als er die Aufregung in unseren Gesichtern sieht, wirft er jedem einen langen, aufmunternden Blick zu und tätschelt den Arm des ersten Fragestellers. Unter Buddhisten, erfahre ich später von einer interessierten Journalistin, gilt es als Zeichen lebenslangen Glücks, einmal im Leben vom Dalai Lama berührt zu werden. Und mit dieser Ehre ist Seine Heiligkeit keineswegs knauserig. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, einer so wichtigen Person so nah zu sein. Doch noch mehr als das hat es mich beeindruckt, Seiner Heiligkeit ganz ohne Berührungsängste begegnen zu können.

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Wenn der Dalai Lama betont, er sei nur ein Mensch, kommt diese Gewissheit aus seinem Herzen. Es ist eine innere Einstellung, mit der er jeder Persönlichkeit begegnet und uns Schüler spüren lässt, dass wir für ihn keineswegs weniger wichtig sind als ein Besuch bei der Bundeskanzlerin oder dem US-Präsidenten. Ob es die Art ist, wie Seine Heiligkeit munter mit den Beinen baumelt und die Runde grinst, während ein Übersetzer seine Antwort für den Saal noch einmal auf Deutsch wiedergibt, seine Art sich immer wieder bei seinem tibetischen Übersetzer zu erkundigen, ob er auch das richtige englische Wort gebraucht, oder schlichtweg das Fehlen jeglicher Berührungsangst mit uns – 10 fremden Schülern aus einem fremden Land – der Dalai Lama tritt nicht in einer Rolle auf.

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Er erscheint als Mensch, und als solcher beantwortet er auch unsere Fragen. Eine Haltung, wie ich sie noch nie bei einem Würdenträger erlebt habe und die einen Eindruck hinterlassen hat, der mich mein ganzes Leben lang begleiten wird.

(Bericht: Paula-Marie Schillo, Fotos: SG | GB)

Dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Lehrplanthema ist, haben drei Biologiegruppen der Limburger Marienschule unter Beweis gestellt. Biologielehrerin Martina Fredl hatte ihre Mittelstufenklassen auf den Wettbewerb „Prima Klima – Klima der Region“ aufmerksam gemacht - und bei den Schülerinnen und Schüler so einen kreativen Zugang zur Nachhaltigkeit eröffnet: Die erarbeiteten Beiträge reichen dabei von der Erstellung einer eigenen Internetseite bis hin zum Bau eines kleinen Elektroautos, mit dem sich die Marienschüler letztlich den ersten Preis sicherten.

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Obwohl die Ideen der teilnehmenden Klassen unglaublich kreativ und wohldurchdacht sind, könnten sie dennoch nicht unterschiedlicher sein. So entschied sich die Klasse 9c beispielsweise dafür, eine Seite auf Instagram zum Thema Umweltschutz ins Leben zu rufen und regelmäßig Tipps und Verbesserungsideen zu einer umweltfreundlichen Lebensweise zu posten (umweltschutz_limburg auf Instagram). Die Juniorforscher der 9d fanden mit der Erstellung eines Gottesdienstes und einer vorangegangenen Umfrage in der Schulmensa zum Thema Nachhaltigkeit einen komplett anderen Zugang zu der Projektaufgabe. „Ich finde es toll, dass die Ideen so verschieden und breit gefächert sind, so dass unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden“, freut sich Biologielehrerin Martina Fredl über das Engagement ihrer Schülerinnen und Schüler.
Die Wettbewerbsteilnehmer aus der 9f wurden sogar handwerklich tätig, indem sie ein altes Bobbycar zu einem Elektroauto umbauten. Hinter ihrem selbst entwickelten „Bob-E-Car“ steckt jedoch viel engagierte Arbeit. Die 9f teilte sich im Laufe des Projektzeitraumes eigenständig in unterschiedliche Gruppen ein, betrieb Recherche über die Vor - und Nachteile von Elektroautos, werkelte fleißig an ihrer Erfindung und drehte zum Abschluss sogar noch einen Film über ihr Projektthema. Ziel der Klasse war es, auf die aktuelle Abgasproblematik in Limburg aufmerksam zu machen und mit ihrem Projekt die Bevölkerung sowohl zum Kauf von Elektroautos als auch zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu motivieren.

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Ein Projekt, das bei der Jury des Regionalparks Rhein-Main ankam und den Beitrag auf den ersten Platz brachte: „Die Arbeit hat durch ihre Kreativität und hohe Emotionalität überzeugt und wurde äußerst professionell präsentiert“, waren sich die Juroren einig. 450 Euro Preisgeld und einen Erlebnistag im Regionalpark wartete auf die Schüler der 9f. Martina Fredl, die ihren Schützlingen bei ihren Wettbewerbsbeiträgen komplett freie Hand gelassen hatte, ist begeistert von dem Ergebnis dieser Arbeitsweise: „Die Schüler lernen auf diese Weise mehr. Nicht nur über das Thema der Nachhaltigkeit, sondern auch als Klasse zusammenzuwachsen, im Team zu arbeiten und alle Teilschritte zu organisieren“, sagte die Biologielehrerin. Damit seien nicht nur die Ziele des Unterrichts, sondern ganz nebenbei auch die des ausgeschriebenen Wettbewerbs erreicht: Junge Erwachsene schon früh für bedeutende Themen wie Klimawandel, Erderwärmung, Treibhauseffekt oder Emissionen zu sensibilisieren. Ein Engagement, das auch Schulleiterin Dr. Henrike Zilling beeindruckt: „Wir müssen uns um die Zukunft weniger Sorgen machen, wenn unsere Schülerinnen und Schüler bereits frühzeitig beginnen, Nachhaltigkeit zu leben und Lösungsansätze für ökologische Probleme zu entwickeln.“

Unter folgendem Link finden Sie alle Preisträger des Wettbewerbs und einen Videobeitrag zum Bob-E-Car.

(Bericht: Anna Manz, Fotos: Fotostudio Karl/MSL | GB)

Gemeinsam mit Journalist Peter Bandermann gingen 20 Schülerinnen der Klassen 9b und 9e in einem Workshop der Pressefreiheit auf den Grund – und den Gefahren, die ihr weltweit, aber auch in Deutschland drohen.

Workshop Pressefreiheit 3
„Sprache ist Denken.“ Mit diesem Satz beeindruckt der erfahrene Journalist und Preisträger der „Goldenen Victoria für Pressefreiheit“ Peter Bandermann die Neuntklässlerinnen schwer. Er spricht aus Erfahrung, wenn er von Anfeindungen und Repressalien gegen Journalisten auf der ganzen Welt erzählt. Denn Bandermann nimmt kein Blatt vor den Mund, schon gar nicht, wenn es um rechte Gewalt geht. Er sehe es als seine „Journalistenpflicht“, erzählt er den interessierten Schülerinnen, bei der Wahrheit zu bleiben und über sie zu berichten, auch und gerade wenn bestimmte Personen versuchten, dies zu verhindern. So beispielsweise 2014 in Heidenau, als ein rechter Mob einen zu einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Baumarkt angriff.

Workshop Pressefreiheit 2
Doch nur berichten reiche nicht, betonte Bandermann. Es gehe auch darum, Verbindungen herzustellen und Aufklärung zu betreiben. So ließ ihn die rechte Gewalt nicht mehr los und je mehr er über Gewalt und Unterdrückung durch Neonazis berichtete, desto klarer wurden für ihn die Parallelen: „Das war schon einmal dagewesen“. In der Weimarer Republik nämlich, als rechte Gruppen sich formierten und durch Gewalt und Einschüchterung „Druck aufbauten“. Nationalsozialisten wie Neonazis gingen immer nach demselben Muster vor, dem bald auch er zum Opfer fiel.

Workshop Pressefreiheit 1
Gerade das ist eine weitere wichtige Lektion Bandermanns: als Journalist steht er ständig in der Öffentlichkeit, ist mit seinem Namen auch für anonyme Gegner angreifbar. Rechte Aktivisten nahmen ihn in den Fokus, veröffentlichten seine Adresse und KFZ-Kennzeichen im Internet mit der Aufforderung, ihm einen Besuch abzustatten. Eine gefälschte Todesanzeige erschien im Internet und verbreitete sich rasend schnell über sämtliche Nachrichtenkanäle, von Printmedien bis zu den Fernsehnachrichten. Doch damit nicht genug, Rechte bedrohten auch seine Familie, setzten sich schweigend hinter seine Tochter, wenn diese morgens mit dem Bus zur Schule fuhr.
Die Reaktion seiner Tochter habe ihn sehr berührt, erzählt Bandermann, sie habe sich genauso wenig einschüchtern lassen wie ihr Vater. Stattdessen die trotzige Aufforderung an ihn, nicht aufzugeben, wie sie ihn so oft von überall in Deutschland nach dem rechten Aufmarsch in Heidenau erreicht hatte. Die Menschen brauchen Journalisten, so die Lektion, und Journalisten brauchen Pressefreiheit.

Workshop Pressefreiheit 4
Die Erfahrungen und Eindrücke aus dem Workshop werden lange nachwirken, da ist Birgid Sagmeister sich sicher. Die Religionslehrerin hatte im Vorfeld mit vier Kursen an einer Schülerumfrage der Stiftung Lesen und des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger zum Thema Mediennutzung teilgenommen, unter deren Teilnehmern die Initiatoren journalistische Workshops verlosten. Die Schülerinnen können ihrer Lehrerin in diesem Punkt nur zustimmen. „Mir hat gefallen, dass wir selbst Fragen stellen durften, auf die er dann sehr genau eingegangen ist“, schwärmt Charlotte Kreuzsaler aus der Klasse 9e. Für die vielen Fragen der Neuntklässler stellte der Journalist kurzerhand sein vorbereitetes Programm um.
„Nur schade, dass wir so wenig Zeit hatten“, klagt die Vierzehnjährige. Drei Stunden reichten kaum aus, um die gesamte Welt des Journalismus zu ergründen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb ist sie froh, dass es Initiativen gibt, die Schülern wie ihr und ihren Klassenkameradinnen die Pressefreiheit näher bringt. Dieser Meinung ist auch Peter Bandermann, „Schüler selbst wenden Pressefreiheit an, wenn sie soziale Netzwerke benutzen, oft ist es ihnen gar nicht bewusst, dass das ein Freiheitsrecht ist“. Die Fragen und das Interesse der Schülerinnen beeindruckten ihn.

(Bericht: Paula-Marie Schillo, Fotos: MM | GB)